Ein Spaziergang durch Harburg

Ein Spaziergang durch Harburg


von Noemi Schreiner


Die Kunstmeile in der Hamburger Innenstadt kennen viele. Doch auch Hamburgs Süden hat einiges zu bieten. Kommen Sie mit auf eine Erkundungstour entlang des Kunstpfads in Harburg.

© Noemi Schreiner

Vor knapp knapp sechs Monaten bin ich nach Harburg gezogen. Um mich in meinem neuen Zuhause einzuleben, war ich viel zu Fuß unterwegs. Dabei bin ich buchstäblich über einen Weg gestolpert, Harburg kennenzulernen: einen in den Boden eingelassenen Richtungsweiser für den Kunstpfad. Die 60 bronzenen Tropfen zeigen Kunstinteressierten und Entdeckungslustigen, wo es langgeht. Zwar gibtes die Route schon seit 1994, aber die damals lediglich auf den Bürgersteig gemalten Fußabdrücke waren schon nach kurzer Zeit nicht mehr sichtbar. Mit der Installation der neuen Markierungen im Oktober 2007 wurde der Pfad wiedereröffnet. Zu entdeckengibt es entlang des etwa einstündigen Rundgangs quer durch die Harburger Innenstadt 27 Skulpturen. Während einige davon prominent platziert sind und das Stadtbild prägen, sind andere eher unscheinbar oder sogar versteckt.

Rund ums Rathaus und die Museumsachse

Ausgangspunkt ist der Tubaspieler am Harburger Rathaus. Diese lebensgroße Plastik des dänischen Bildhauers Arne Ranslet ist ein Wahrzeichen Harburgs und eines der bekanntesten Kunstwerke im öffentlichen Raum. Ganz in der Nähe befinden sich zwei meiner Lieblingsplätze. Im Untergeschoss der Harburg Arcaden stehen zwei britische Telefonzellen, in denen Büchertauschregale untergebracht sind. Nach dem Prinzip „eins nehmen, eins geben“ können Leseratten neue Lektüre finden. Im Obergeschoss lädt das Secondhand-Geschäft stilbruch zum Stöbern ein. Von Filmen über Kleidung bis hin zu Möbeln wird hier alles angeboten.

Über die Museumsachse geht es Richtung Hauptgebäude des Archäologischen Museum Hamburgs – Stadtmuseum Harburg/Helms-Museum. Allen, die mehr über die Skulpturen entlang des Weges erfahren möchten, empfehle ich einen Besuch im Museumsshop. Dort gibt es einen Führer zum Kunstpfad zu kaufen. Wer Lust auf einen Kaffee oder eine kleine kulinarische Pause hat, kehrt in der Helms Lounge ein. Von hier aus lassen sich bei afghanischen Spezialitäten die Installationen auf dem Museumsplatz betrachten.

Mahnmale im Dialog

Im Bogen führt der Spaziergang anschließend über die Asbeckstraße auf die Bremer Straße. Dort befinden sich vor der St. Johanniskirche zwei Denkmäler. Der Kontrast zwischen der Kriegerstatue Der Soldat fürdie Gefallenen des 1. Weltkriegs und dem Mahnmal Trauerndes Kind ist beeindruckend. Besonders bemerkenswert ist für mich, dass sich die Soldatenhelme vor der zusammengekauerten Gestalt des Kindes verschiedenen Ländern zuordnen lassen und damit alle Toten gleich welcher Nation beklagt werden.

Namensgebend für das Löwenhaus: Ernst Bandels "Zwei Löwen"
© Noemi Schreiner

Durch Harburgs Fußgängerzone und über den Harburger Ring verläuft der Weg nun weiter zum Lüneburger Tor. Dort ist u. a. Uta Falter-Baumgartens Skulptur Großstadtgören zu entdecken. Da diese in der Nachbarschaft einiger Spielgeräte steht, wird sie von Kindern gern zum Klettern genutzt.

Harburgs Gaststube

Der Pfad folgt dem Schloßmühlendamm und biegt schließlich in die Lämmertwiete ab. Auf der kleinen Straße mit den aneinander geschmiegten Fachwerkhäusern erinnert Hans-Werner Könnekes Statue Muttertier mit Lämmern daran, das früher Schafe durch die Gasse getrieben wurden. Hier befindet sich das Herz der Harburger Gastronomie- und Kneipenszene. Zeit für eine größere Pause, denn gut über die Hälfte unseres Streifzugs ist geschafft. Ob Pizza, brasilianisch, indisch oder Kaffee, hier ist für jeden was dabei. Auch für das erste Eis des Jahres ist gesorgt. Und ab dem frühen Abend lädt der urige Old Dubliner auf ein Pint ein.

Versenkte Kunst

Über die Neue Straße und den Harburger Marktplatz am Sand geht es zum Rathaus zurück. Am Eingang zum Fußgängertunnel ist das wohl versteckteste Kunstwerk zu sehen. Das Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt – für Frieden und Menschenrechte des Künstlerpaares Esther und Jochen Gerz stand ursprünglich auf dem Tunnel, wurde aber über die Jahre in mehreren Schritten versenkt. Heute befindet es sich auf Höhe des Eingangs der Unterführung und lässt sich nur noch durch ein Fenster betrachten.

 

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Beitragsbild: © Noemi Schreiner, Ermak Oksana/Shutterstock.com

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