Angehörige halten Hände

Neurologische Frühreha: Schritt für Schritt zurück ins Leben

Neurologische Frühreha: Schritt für Schritt zurück ins Leben


Angehörige halten Hände

In der Neurologischen Frühreha kämpfen sich Menschen ins Leben zurück – zum Beispiel nach einem schweren Schlaganfall. Für viele ist es ein langer Weg.

Wir freuen uns schon über kleine Fortschritte“, sagt Dr. Malgorzata Jakubowska. Sie ist Ärztin in der Neurologischen Frührehabilitation (NFR) im Albertinen Krankenhaus. Hier werden Menschen weiterbehandelt, die zuvor auf einer Intensivstation akut versorgt wurden. Die meisten haben einen schweren Schlaganfall hinter sich, aber auch andere Diagnosen wie Rückenmarksverletzungen oder Hirnhautentzündungen.

In ganz Hamburg gibt es sieben Stationen dieser Art. Dr. Jakubowska muss oft erklären, dass die Neurologische Frühreha mit einer klassischen Reha nicht vergleichbar ist. Denn hier erlangen Patienten zunächst die wichtigsten Funktionen für ihr weiteres Leben zurück: selbstständiges Atmen, Schlucken, Essen, Sitzen, Kommunizieren. „Ziel ist, dass sie danach in der Lage sind, eine weiterführende Reha anzutreten“, so Dr. Jakubowska.

Geduld ist gefragt

Die Betreuung ist personell äußerst anspruchsvoll: Neben Ärzten und speziell geschulten Pflegekräften sind Ergo- und Physiotherapeuten, sowie Logopäden, Neuropsychologen und physikalische Therapeuten im Einsatz. In der NFR braucht man aber vor allem eins: Geduld. Im Bundesdurchschnitt verbringen Patienten 56 Tage auf der Station.

„Angehörige können das, was wir nicht können“

Die Patienten selbst sind zu Beginn meist so sehr betroffen, dass die ersten Behandlungsfortschritte nur langsam zu erzielen sind – auch das ist der Unterschied zu einer klassischen Reha. „Viele Angehörige sind unsicher und fragen, was sie tun können“, berichtet Therapieleiterin Sabine Bösl. In einer Broschüre hat das Albertinen-Team Tipps für Angehörige zusammengestellt: Musik hören, Hände und Füße massieren, mit Fotoalben von Familien oder Freunden Erinnerungen zurückholen. Sabine Bösl bringt es auf den Punkt: „Angehörige können das, was wir nicht können: Vertrautes aus dem bisherigen Alltag und ihre Liebe mitbringen.“

Wann kommt eine NFR in Frage?

Nach der Akutversorgung entscheiden Ärzte, wie die Behandlung weiter verläuft. Dabei hilft ein Punktesystem, der sogenannte Barthel-Index. Die NFR wird veranlasst, wenn dieser unter 30 Punkten liegt. Bei mehr als 30 Punkten wird die Phase B übersprungen.

Die Phasen der neurologischen Rehabilitation

A – Akutereignis (OP, Intensivstation, Stroke Unit)
B – Frührehabilitation (erste Mobilisierung, Kost-, Kontakt- und Kommunikationsaufbau)
C – Rehabilitation (Rückgewinnung der Selbständigkeit im Alltag)
D – Anschlussheilbehandlung (ambulante oder stationäre Reha, in der Regel drei Wochen)
E – Berufliche Reha (z. B. Umschulungsmaßnahmen)
F – Zustandserhaltende Pflege (Zustandserhaltung, Prophylaxe)

Zum Begriff Rehabilitation

Herkunft: rehabilitatio, lateinisch für „Wiederherstellung“. Übersetzung: „Therapie, die auf die Wiederherstellung verlorengegangener Fähigkeiten abzielt“.

Wie der Alltag in der Neurologischen Frühreha aussieht, verrät Janine Timian. Sie arbeitet als Pflegerin im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand.


Beitragsbild: © Casa nayafana

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