Bauchgeflüster

Unser Bauch ist weit mehr als nur unsere Körpermitte: Er steuert unsere Verdauung, beeinflusst unser Wohlbefinden und verrät viel über unsere Lebensweise. Ob Bierbauch, Darmflora, Stress oder Schwangerschaft – was in unserem Bauch passiert, wirkt sich direkt auf Gesundheit, Stimmung und sogar unser Denken aus.

VON NZINGA TONKAM

Illustration von Gehirn und Darm mit Pfeilen zur Darstellung einer Verbindung.

90 Prozent

der Botschaften werden vom Darm ans Gehirn gefunkt – nur ein Bruchteil der Signale andersherum. Diese „Datenautobahn“ läuft über den Vagusnerv und Nervenbotenstoffe, die unter anderem auch von Darmbakterien bereitgestellt werden. Unser Bauch hat also ganz schön viel zu sagen.

Illustration eines runden Glasgefäßes mit zwei verschiedenfarbigen Flüssigkeitsschichten.

2 bis 3 Liter

Saft produziert der Magen täglich. Er besteht aus Salzsäure und Verdauungsenzymen. Mit einem pH-Wert von 1–1,5 ist Magensäure sehr stark und zersetzt Nahrung sowie Mikroben. Nur Schwefelsäure, die in Autobatterien vorkommt, ist noch stärker.

Illustration eines Netzwerks aus verbundenen farbigen Punkten und Linien.

Über 100 Millionen Nervenzellen

verfügt unser Darmeigenes Nervensystem. Deshalb wird der Darm auch als unser „zweites Gehirn“ bezeichnet. Wenn dort also etwas nicht stimmt, wirkt sich das oft auf unsere Laune oder unser allgemeines Wohlbefinden aus.

Illustration einer gehenden Person, die eine übergroße Papierrolle trägt.

85 Prozent

der Menschen fühlen Stress eindeutig im Bauch. Es ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, dass sich negative Erlebnisse, Unruhe und starke Emotionen wie Ängste negativ auf unsere Verdauung auswirken. Also aufs Bauchgefühl hören!

Illustration einer sitzenden Person, die tief ein- und ausatmet, umgeben von Pflanzen.

Mit dem Bauch atmen

Viele denken beim Atmen nur an die Lunge, dabei spielt der Bauch eine wichtige Nebenrolle: Beim tiefen Einatmen senkt sich das Zwerchfell und drückt dabei die Bauchorgane sanft nach unten. Diese Bauchatmung hilft, Stress abzubauen, die Konzentration zu steigern und sogar den Blutdruck zu senken. Übrigens: Babys atmen ausschließlich so!

Illustration einer schwangeren Frau im roten Kleid mit sichtbarem Babybauch.

Bauch als Babysitter

Im Bauch kommunizieren die Mutter und das Baby – über Hormone, Geräusche und Berührungen: Ab etwa der 23. Schwangerschaftswoche nimmt das Kind Geräusche wahr. Viele Babys reagieren sogar auf Berührungen am Bauch. Über die Nabelschnur erhält das Baby zudem Hormone, die mit dem emotionalen Zustand der Mutter zusammenhängen – sozusagen eine direkte Verbindung zwischen Bauch und Baby.
Illustration eines Magens mit dargestellten Bakterien und Partikeln im Inneren.

72 Stunden

dauert es idealerweise, bis sich der Darm vollständig leert. Aber wie lange liegt unser Essen eigentlich im Magen? Fetthaltige Wurst oder Aal benötigen 8 Stunden, um den Magen zu passieren. Paniertes oder gegrilltes Fleisch, fettreiche Süßigkeiten und Käsesorten 7 Stunden. Eier, Mischbrot, Salat oder Rohkost
sind in 3 Stunden „durch“ und Milch, Reis, Kartoffeln und Weißbrot in 2 Stunden. Säfte, Bier und Joghurt verbleiben nur etwa 1 Stunde. Wasser ist am schnellsten: Es passiert innerhalb von 20 Minuten den Magen.

Illustration einer Lupe mit verschiedenen dargestellten Bakterien und Mikroorganismen.

38 Billionen Bakterien

beherbergt unser Bauch. Lange Zeit hieß es, wir hätten zehnmal mehr Bakterien als eigene Körperzellen. Diese Schätzung wurde mittlerweile korrigiert: Tatsächlich befinden sich in einem gesunden Körper etwa 30 Billionen menschliche Zellen, also ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis.



Illustrationen: VectorMine/Shutterstock