Felix Magath schaut in die obere linke Ecke. Er trägt einen grauen Pulunder, aus dem ein hellblauer Hemdkragen herausragt. Der Hintergrund ist weinrot.

„Der Kopf spielt immer mit“

Foto: Felix Pöhland GmbH

Vom jungen Fußballfan zum Titelträger: Felix Magath blickt auf eine außergewöhnliche Laufbahn im Profifußball zurück und spricht offen über Leistungsdruck und mentale Belastungen hinter den Kulissen. Außerdem erzählt er, was ihm in schwierigen Phasen Halt gegeben hat und warum ihm Offenheit im Umgang mit psychischen Problemen sowie soziales Engagement besonders am Herzen liegen.

Das ist Felix Magath


Felix Magath, geboren 1953 in Aschaffenburg, wuchs als Sohn einer deutschen Mutter und eines puertoricanischen Vaters überwiegend bei seiner Mutter auf. Er ist verheiratet und hat sechs Kinder. Schon früh begeisterte er sich für Fußball und begann seine Karriere in der Jugend des VfR Nilkheim. Als Spieler des HSV sowie später als Trainer und Manager feierte er zahlreiche nationale und internationale Erfolge. Außerhalb des Profifußballs ist Felix Magath Autor und engagiert sich für das Inklusionsprojekt „Doppelpass“, das Menschen mit geistiger Beeinträchtigung den Weg zur DFB-Basis-Trainerlizenz eröffnet.

Wer Felix Magath live erleben will: Am 5. Oktober 2026 ist er zu Gast bei „Fußball & Helden – Der Fußballtalk“ in der Stadthalle Gersthofen.


Sie haben bereits mit sieben Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Wann wurde für Sie aus Leidenschaft Leistung?


Von mir selbst habe ich schon immer Erfolg erwartet – egal ob als Siebenjähriger, als Jugendlicher, als Nationalspieler oder als Bundesligatrainer. Leidenschaft und Leistung gehören für mich von Anfang an untrennbar zusammen.
Foto: Privat

Dreimal Deutscher Meister, einmal Europameister und zweimal Vize-Weltmeister: Welcher dieser Titel hat Sie am meisten geprägt?


Es ging mir persönlich nie um die Auszeichnungen. Das Wichtigste war für mich zu gewinnen und meine Arbeit bestmöglich zu erledigen.
Jeder Titel bedeutete am Ende die Bestätigung, dass ich meine Aufgabe erfüllt hatte.

Hat sich der Leistungsdruck im Profifußball in den letzten Jahrzehnten verändert?


Ja, vor allem durch den Einfluss der Medien. Wenn die erwarteten Ergebnisse ausbleiben, wird schnell nach einem Sündenbock gesucht. Das erhöht den Druck auf die Spieler und die Trainer. Ich hätte mir eine fairere Berichterstattung in einigen Medien gewünscht. Damit musste ich mich zusätzlich zum ohnehin großen Druck des Trainerjobs auseinandersetzen.

Wie hat sich dieser Druck bemerkbar gemacht?


Mir war klar, dass etwas nicht stimmt, als ich morgens nicht mehr aufstehen wollte, sobald der Wecker geklingelt hat. Normalerweise bin ich nämlich sehr gerne zur Arbeit gegangen. Aber mir ist es zunehmend schwergefallen, richtig abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Ich konnte mich nicht mehr entspannen.


Was hat Ihnen Ihre Kraft zurückgegeben?

Meine Familie. Durch sie konnte ich abschalten und meine Batterie immer wieder aufladen. Für mich ist meine Familie ein Schutzschild vor allem, wenn von außen etwas auf mich einprasselt.
Ich denke auch, dass Menschen psychisch davon profitieren können, Sport zu treiben. Deswegen kann ich jedem nur raten, sich in welcher Form auch immer zu bewegen. Zum Glück gibt es mittlerweile ein wahnsinnig breites Angebot, sodass man vieles ausprobieren und etwas finden kann, was einem wirklich gefällt.


Foto: Privat

Der 18-jährige Felix Magath (untere Reihe, 2. v. l.) mit seiner Mannschaft vom TV 1860 Aschaffenburg.

Warum fällt es vielen Fußballerinnen und Fußballern so schwer, über psychische Belastungen zu sprechen?

Auf eine Person in der Öffentlichkeit richtet sich immer große Aufmerksamkeit. Da möchte man natürlich das bestmögliche Bild abgeben und keine Schwächen zeigen oder zugeben. Deshalb wird über solche Themen kaum gesprochen – und wenn sich dann doch mal jemand öffnet, fällt das sofort auf. Ich denke, daher versuchen viele, mentale Probleme von der Öffentlichkeit fernzuhalten.


Sie engagieren sich im Bereich Gesundheit und Prävention und sind sogar Gesellschafter einer psychiatrischen Klinik. Was hat Sie dazu bewogen?

Ich erinnere mich noch genau an meine eigenen Angstzustände und daran, wie ich ganze Nächte nicht schlafen konnte. Seit diesem Erlebnis ist mir bewusst, wie gefährlich und schwierig es sein kann, wenn man unter psychischen Problemen leidet. Von daher musste ich nicht lange überlegen, als ich die Chance bekommen habe, in eine psychiatrische Klinik zu investieren und Menschen bei ihren Problemen zu helfen.

Mit Ihrer Biografie „Gegensätzliches“ haben Sie Spenden für ein Mädchen mit Kinderdemenz gesammelt. Warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?


Meine Mutter litt unter Demenz, sodass ich die furchtbaren Folgen dieser Krankheit selbst hautnah miterlebt habe. Bei Kindern, die normalerweise noch ihr ganzes Leben vor sich haben sollten, finde ich es besonders schrecklich. Daher bin ich der Meinung, dass noch viel mehr unternommen werden müsste, um Menschen, die dieses Schicksal erfahren, besser helfen zu können. Hoffentlich wird man irgendwann in der Lage sein, diese Krankheit zu heilen.

Foto: Privat

Wird Ihrer Meinung nach im Fußball genug über Demenz, Kopfverletzungen und Langzeitfolgen gesprochen?

Zumindest sieht man, dass Schiedsrichter bei Kopfverletzungen mittlerweile viel sensibler reagieren. Das Bewusstsein dafür, dass der Kopf besonders geschützt werden muss, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Wenn Sie heute auf Ihre Karriere zurückblicken – was nehmen Sie daraus mit und welchen Rat würden Sie anderen geben?


Ich bin wahnsinnig dankbar, ein Leben im Sport führen zu können - sowohl als Spieler als auch als Trainer. Dieser Sport begleitet mich, seit ich ein kleiner Junge war. Umso schöner ist es, dass er mich ein Leben lang getragen hat. Ich blicke daher mit großer Zufriedenheit auf meine Karriere zurück.
Ich rate jedem, sich immer wieder realistische Ziele zu setzen und so lange daran zu arbeiten, bis man sie erreicht hat.

Foto: thorsten doerk
Cover der Biografie "Felix Magath. Gegensätzliches" von Harald Kaiser.

„Felix Magath – Gegensätzliches“

Vom stillen Jungen zum erfolgreichen Spieler und Trainer: Harald Kaiser zeichnet in dieser Biografie nach, wie Disziplin, Kreativität und Unangepasstheit den Weg von Felix Magath geprägt haben – und ihn zu einer der widersprüchlichsten Persönlichkeiten des deutschen Fußballs machten.

DIE WERKSTATT
224 Seiten
29,90 €



Diesen Beitrag teilen