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Ein Gläschen in Ehren

Ein Gläschen in Ehren


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Feierabend, Geburtstag oder Stress – an Anlässen für ein Gläschen mangelt es nicht. Aber aufgepasst: Bei älteren Menschen richtet Alkohol mehr Schaden an als bei jungen. Bereits bei geringen Mengen drohen zahlreiche gesundheitliche Risiken.

Ein Gläschen Wein am Tag kann doch nicht schaden? Doch – und besonders im höheren Alter ist Alkohol mit Vorsicht zu genießen. „Wenn man diesen gewohnten Konsum aus jungen Jahren mit zunehmendem Alter fortsetzt, dann wird es ab 60 Jahren schon kritisch“, weiß Chefarzt Dr. Christian Kügler. Er leitet die Abteilung für Innere Medizin mit einem suchtmedizinischen Schwerpunkt und den Fachbereich Geriatrie (Altersmedizin) am Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf und warnt vor dieser Faustregel. Im Alter ist die Körperzusammensetzung eine andere: Der relative Wasseranteil nimmt ab, der relative Anteil an Fettgewebe zu. Da sich Alkohol primär im Wasser verteilt, führt dieselbe Menge Alkohol zu einer höheren Blutalkoholkonzentration. „Insgesamt reagiert der Körper älterer Menschen viel empfindlicher auf die schädlichen Wirkungen des Alkohols“, erklärt der Experte weiter. 

Alkoholbedingte Erkrankungen vermeiden

Konsumieren Menschen ab 60 Jahren regelmäßig Alkohol, drohen Probleme wie eine Fettleber, eine Leber- oder Bauchspeicheldrüsen-Entzündung, Herzrhythmusstörungen oder Störungen des Nervensystems, um nur einige zu nennen. Insgesamt kann Alkohol bis zu 200 verschiedene Krankheiten mitverursachen. Zudem wird die Gefahr einer Alkoholabhängigkeit oft unterschätzt. Aber wann liegt ein Suchtproblem vor? Kennzeichen sind unter anderem ein starkes, nahezu zwanghaftes Verlangen nach Alkohol, Entzugserscheinungen bei Reduktion sowie der Kontrollverlust über die Trinkmengen. Doch soweit sollte es am besten erst gar nicht kommen:  

Empfohlene Alkohol-Regeln ab 60 Jahren

1. Halten Sie Grenzen ein und trinken Sie auf keinen Fall mehr als ein Glas (0,3 l) Bier oder Wein (0,125 l) oder einen Stamper Likör / Schnaps (0,02 l) pro Tag. Dieses „Standardgetränk“ entspricht dem Wert von 12 Gramm reinem Alkohol, der nicht überschritten werden sollte. 

2. Konsumieren Sie nie bis an Ihr Limit (d.h. bis Sie eine Rauschwirkung verspüren).

3. Alkoholfreie Tage sind Pflicht. Die grundsätzliche Regel lautet: Sie dürfen an maximal fünf Tagen in der Woche ein Standardgetränk trinken, aber an zwei Tagen keinerlei Alkohol.

„Ältere Menschen sollten mit Alkohol besonders verantwortungsvoll und achtsam umgehen“, rät Dr. Kügler. Muss es wirklich jeden Abend ein Glas Wein sein? Ab 60 Jahren lautet die Antwort: „Nein!“

Wechselwirkung von Alkohol mit Medikamenten beachten

Menschen ab 60 plus müssen oftmals mehrere Medikamente einnehmen. Akuter Alkoholkonsum kann sowohl die Wirkungen (z. B. verstärkte Sedierung bei Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln) als auch die Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. verstärkte Magen- und Leberschädigung bei Einnahme von Schmerzmitteln) erhöhen. Nehmen Personen beispielsweise Blutverdünner ein und trinken einen über den Durst, kann das Blut stärker verdünnt werden und eine akute Blutung eintreten.  

Andererseits kann chronischer regelmäßiger Alkoholkonsum dazu führen, dass Medikamente schneller abgebaut und ausgeschieden werden und sie damit ihre Wirkung einbüßen. In obigem Beispiel kann dies zu einer Verringerung der Gerinnungshemmung mit Thrombosen und Embolien führen.

Gut zu wissen
Der Fachbereich Innere Medizin im Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf bietet einen begleiteten qualifizierten Alkoholentzug auf der Station QE (Qualifizierter Entzug) an. Inklusive sind Therapieeinheiten und Sozialberatungsangebote. Besondere Offerten gibt es für Menschen mit Behinderung, Frauen sowie Menschen 55 plus. 

Die Telefon-Nummer für die Aufnahme im Qualifizierten Entzug im Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf lautet: 040 50 77 32 41.

Kenn Dein Limit
Auf www.kenn-dein-limit.de informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung umfassend zu allen Fragen zum Thema Alkohol- und Alkoholsucht. Inklusive Selbsttest.

Hätten Sie es gewusst?
Warum vertragen Frauen weniger Alkohol?
Der weibliche Körper hat eine andere Körperkomposition sowie einen anderen Stoffwechsel als der männliche. Frauen vertragen daher grundsätzlich weniger als Männer, für sie gilt der eine Standarddrink pro Tag auch bereits in jüngeren Jahren. 

Wie erkennt man ein Alkohol-Problem?
Trinken Sie nicht mehr als ein alkoholisches Standardgetränk pro Tag und schaffen Sie es an zwei Tagen in der Woche komplett auf Alkohol zu verzichten? Solange Sie diese Fragen ehrlich bejahen können, sind eine Abhängigkeit und ernsthafte Gesundheitsschäden unwahrscheinlich. Wenn der Verzicht dagegen für Unruhe sorgt, kann dies bereits ein Zeichen sein, dass Sie sich auf dem Weg in eine Abhängigkeit befinden. Dann sollten Sie sich unbedingt Hilfe suchen.

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Beitragsbild: © shutterstock / Serhiy-Shullye

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