Fit – tot – überlebt

Fit – tot – überlebt


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Ein plötzlicher Herzstillstand endet selbst nach erfolgreicher Wiederbelebung für viele tödlich. Worauf kommt es in einem Cardiac Arrest Center an?

Hüseyin Y. hat den Tod überlebt. Genauer gesagt einen klinischen Tod durch Herzstillstand – in seinem Fall verursacht durch einen Herzinfarkt beim Wandern im Bergedorfer Gehölz. Zu seinem Glück war er nicht alleine, sondern in Begleitung eines mit Erster Hilfe vertrauten Freundes. Dieser handelte sofort. Nach erfolgreicher Laienreanimation konnte das Herz wieder schlagen und im Rettungshelikopter ging es direkt in die Intensivstation des Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf. Dr. Gesine Janssen, Leiterin des Cardiac Arrest Center (CAC), erklärt: „Nach einem plötzlichen Herzstillstand ist jede Sekunde entscheidend. Deswegen sind wir als Spezialeinheit darauf optimiert, den Patienten so schnell wie möglich in einen stabilen Zustand zu bringen und zu diagnostizieren. Sanitäter, Notärzte, Kardiologen, Intensivmediziner, speziell ausgebildete Internisten, Neurologen und Radiologen sind dafür eng verzahnt im Einsatz. Und zwar 24 Stunden am Tag.“ 

Wie umgehen mit plötzlichem Herzstillstand? 

„Bei einem plötzlichen Herzstillstand ist keine Sekunde zu verlieren, denn mit jeder Sekunde Sauerstoffunterversorgung vor einer Reanimation sinken die Überlebenschancen“, so Dr. Janssen. Der Organismus, besonders das Gehirn, steht hiernach unter maximalem Stress und braucht mehrere Wochen, um sich zu erholen. Hierfür müssen die folgenden Prozesse nicht nur möglichst schnell, sondern auch strukturiert und organisiert ablaufen. „Und selbst dann versterben viele Patienten wenige Minuten nach der Einlieferung, am Folgetag oder ein paar Tage später an der Schwere der Erkrankungssituation“, berichtet die Ärztin. Im Krankenhaus angekommen gilt es zunächst, die Ursache des Herzstillstandes zu ermitteln und zu behandeln. Nur so kann verhindert werden, dass es erneut zu einem Stillstand kommt. Anschließend werden die Folgen des überlebten Herztods – das sogenannte Postreanimationssyndrom – therapiert. 

Cardiac Arrest Center: Hohe Ansprüche für die Klinik 

Um sich als Cardiac Arrest Center bezeichnen zu dürfen, muss eine Klinik ein Prüfverfahren durchlaufen, das von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und dem Deutschen Rat für Wiederbelebung entwickelt wurde. Die stetige Verfügbarkeit und die nahtlos verzahnten Prozesse müssen alle drei Jahre wieder nachgewiesen werden. „Hier in Bergedorf sind wir die einzige CAC-Klinik im Südosten Hamburgs und haben auch viele Patienten aus dem Umland“, berichtet Dr. Janssen. Hüseyin Y. hatte das Glück, zu den ca. 11 % zu zählen, die sich von einem Herzstillstand erholen. Das Wandern fällt für ihn erst einmal flach. Stattdessen gibt er ehrenamtlich Erste-Hilfe-Kurse.

„Machen Sie einen Erste-Hilfe- Kurs! 

Und zwar regelmäßig, nicht nur einmal für die Führerscheinprüfung. Derzeit erhalten nur 40 % der Betroffenen eine Laienreanimation, das muss mehr werden. Und: Zögern Sie nicht damit, Hilfe zu leisten. Der Patient ist bereits tot. Ein Reanimationsversuch ist die letzte Chance, die er noch hat.“

Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie!

 

Beitragsbild: © Africa-Studio / shutterstock


 
 
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