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Titelthema Bauch

Hightech für die Blase

Männer erkranken rund dreimal häufiger an Blasenkrebs als Frauen. Rauchen und Übergewicht steigern das Risiko. Muss die Blase entfernt werden, bieten Stoma oder Neoblase heute gute Optionen. Doch woran erkenne ich Blasenkrebs früh?

Von Caroline de Boor

Warnzeichen können Probleme beim Wasserlassen oder ständiger Harndrang sein – das kann aber auch andere Ursachen haben. „Das häufigste Alarmsignal ist Blut im Urin“, erklärt Dr. Henrik Zecha, Chefarzt der Urologie und Uroonkologie am Albertinen Krankenhaus. „Das ist nicht immer mit bloßem Auge sichtbar. Um sicherzugehen, sollte das im Labor untersucht werden.“

Leuchtender Tumor

Dann erfolgt eine Blasenspiegelung. Dabei kommen spezielle Verfahren wie die PDD (Photodynamische Diagnostik) oder das NBI (Narrow Band Imaging) zum Einsatz. So können auch sehr kleine und flache Tumoren sowie Tumorvorstufen erkannt werden. Bei der PDD wird vor der Operation ein fluoreszierender Farbstoff über einen Katheter in die Blase gegeben. Tumorzellen nehmen ihn auf und leuchten unter speziellem Blaulicht rot. Beim NBI heben grünes und blaues Licht gut durchblutete Bereiche, wie Tumoren, deutlicher hervor.

Krebs – und jetzt?

Wird ein Tumor entdeckt, erfolgt zunächst eine transurethrale Resektion. Der Zugangsweg ist hierbei die Harnröhre: der Tumor wird mit einer Schlinge entfernt und in der Pathologie untersucht. Entscheidend ist, ob der Krebs oberflächlich liegt oder schon in die Muskulatur eingewachsen ist. Im Anschluss besprechen Mediziner:innen aus Urologie, Onkologie und Radiologie den Fall, bevor sie in einem Patientengespräch über mögliche Behandlungen aufklären. „Bei oberflächlichen Tumoren reicht meist eine chirurgische Entfernung und gegebenenfalls zusätzlich eine lokale Chemotherapie, die in die Blase gespült wird. Auch moderne Immuntherapien, die das körpereigene Abwehrsystem aktivieren, sind eine Option“, so Zecha. „Greifen die Tumoren tiefer, muss in der Regel die Blase entfernt werden.“

Robotik und künstliche Blasen

Als Blasenersatz kann aus einem Stück Dünndarm eine neue Blase geformt werden. Diese Neoblase eignet sich für Menschen, die noch körperlich und geistig fit sind, da sie bis zu einem Jahr alle zwei bis drei Stunden auf die Toilette müssen. Erst dann hat sich die Neoblase auf Normalgröße geweitet. Alternativ sind Harnableitungen über die Bauchwand in einen Stomabeutel möglich. „Wir sind eines der wenigen internationalen Trainingszentren, in denen alle Formen der Harnableitung – auch die Neoblase – roboterassistiert durchgeführt werden“, erklärt Zecha. „Außerdem entwickeln wir zurzeit gemeinsam mit dem UKE und der Charité Berlin Tumormarker, die eine frühere und genauere Diagnose ermöglichen sollen."

Experte für diesen Artikel:

Porträt eines freundlich lächelnden Mannes (Dr. Henrik Zecha) mittleren Alters mit kurzem, blondem Haar. Er trägt ein weißes Poloshirt und steht vor einem unscharfen, hellen Hintergrund

DR. HENRIK ZECHA
Chefarzt der Urologie und Uroonkologie am Albertinen Krankenhaus


Fotos: Immanuel Albertinen Diakonie

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