Selfie von Rhea Harder-Vennewald mit einem Pferd. Sie trägt eine grüne Fleecejacke, ihre blonden Haare sind locker hochgesteckt. Das Pferd steht eng an ihrer Seite, das Zaumzeug ist gut sichtbar.

Ich bin ein echter Bauchmensch

Foto: Privat

Ob als toughe Kommissarin in „Notruf Hafenkante“, als kreative Hörspielsprecherin bei „TKKG“ oder als leidenschaftliche Mutter: Die Berlinerin Rhea Harder-Vennewald hat als Schauspielerin in Hamburg eine neue Heimat gefunden und steht auch privat fest mit beiden Beinen im Leben. Im Gespräch verrät sie, warum ihre Liebe zu Geschichten sie prägt, was sie an der Hansestadt schätzt und weshalb es gut ist, auf die eigene innere Stimme zu hören.

Das ist Rhea Harder-Vennewald

Rhea Harder-Vennewald wurde 1976 in Ost-Berlin geboren und ist Schauspielerin und Hörspielsprecherin. Bereits 1993 war Harder in vier Folgen der Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ als Susanne Krüger zu sehen, bevor sie ab 1996 für sechs Jahre die Hauptrolle der Florentine „Flo Spira“ Spirandelli di Montalban übernahm.
Von 2003 bis 2005 spielte sie Sarah in „Berlin, Berlin“ – ihre Schwangerschaft wurde in die Serie integriert. Seit 2006 ist sie als Polizistin Franziska „Franzi“ Jung in der ZDF-Vorabendserie „Notruf Hafenkante“ zu sehen.
2009 übernahm sie darüber hinaus die Rolle der Gaby Glockner in der Hörspielreihe „TKKG“. 2013 heiratete sie ihren langjährigen Partner Jörg Vennewald; die Familie mit drei Kindern lebt in Hamburg-Eppendorf. Rhea ist begeisterte Reiterin und HSV-Fan und wurde 2021 zur Ehrenkommissarin der Polizei Hamburg ernannt.

Als Polizistin Franzi in „Notruf Hafenkante“ entscheiden Sie viel „aus dem Bauch heraus“. Wie ist das bei Ihnen privat?
Ich bin ein echter Bauchmensch. Ich spüre instinktiv, ob es meinen drei Kindern gutgeht, egal wo sie sind, und erkenne, wer gerade Unterstützung braucht. Mein Mann ist da eher analytisch und versucht mich dann zu beschwichtigen. Aber oft bestätigt sich mein Bauchgefühl.
Rhea Harder steht neben einem Pferd mit Halfter
Haben Ihre Kinder dieses Gespür auch?

Ja, ich denke schon. Ich erinnere mich, dass meine Tochter Leni beim gemeinsamen Ausreiten im Wald einmal völlig unvermittelt vom Pferd abgestiegen ist, weil sie ein ungutes Gefühl hatte – kurz danach sprangen Rehe hervor und haben ihr Pferd erschreckt. Leni hatte den 7. Sinn und hat vorausahnend genau richtig gehandelt. Ich glaube, jeder hat eigentlich ein gutes Bauchgefühl, aber man muss es pflegen, sonst verkümmert es.
Sie sind auch als Hörspielsprecherin erfolgreich – was fasziniert Sie am Geschichtenerzählen?
Bei Hörspielen können die Zuhörer ihre eigenen Bilder im Kopf entwickeln. Das ist ein wunderbares Gefühl, weil jede Geschichte von jedem anders erlebt wird.
In einem früheren Interview erzählten Sie, Ihre Mutter habe Ihnen als Kind oft Geschichten „aus dem Bauch heraus“ erfunden. Hat das Ihre Liebe zur Schauspielerei geprägt?
Ich denke, es liegt eher daran, dass ich als Kind gerne Geschichten auswendig gelernt habe. Weihnachten etwa habe ich freiwillig Gedichte vorgetragen. Das hilft auch bei der Schauspielerei. Sie macht nur Spaß, wenn man es wirklich mag, in eine Rolle zu schlüpfen und dabei gesehen zu werden. Ich bin allerdings auch immer mal wieder aufgeregt, zum Beispiel vor Moderationen, weil ich da ohne Drehbuch auskommen muss und auch meistens etwas nicht so läuft wie geplant. Es macht mir einfach Riesenspaß.
Sie wollten ursprünglich Polizeireiterin werden. Heute sind Sie Ehrenkommissarin und reiten hobbymäßig. Wie nah ist der Kindheitstraum noch?
Durch meine Rolle als Polizistin und den Titel Ehrenkommissarin der Polizei Hamburg ist der Wunsch erfüllt. Und wenn ich in Hamburg unterwegs bin und etwa Falschparker sehe, weise ich sie auch mal darauf hin.

Foto: Notruf Hafenkante

Notruf Hafenkante Störer mit Sendetermin: donnerstags, 19:25 Uhr im ZDF und in der ZDFmediathek
Wenn Franzi (Rhea Harder-Vennewald) und Nick (Raúl Richter) im Einsatz sind, bleibt in „Notruf Hafenkante“ kein Fall ungelöst.
Sie sind auch im Autosport aktiv – wie genau? Haben Sie einen Rennwagen?
Selfie von Rhea Harder-Vennewald vor einem roten Auto. Auf der Motorhaube ist ein goldfarbenes Lenkrad-Logo mit der Aufschrift „Das Goldene Lenkrad 2025“ zu sehen. Rhea trägt eine rote Jacke mit den Logos von „Bild“ und „Shell V-Power“.
Foto: Privat
Ich mag Autos und habe einen Oldtimer, einen Opel Ascona B von 1976, den ich liebe, obwohl er dieses Jahr etwas stur ist. Mein jährliches Highlight sind die Testfahrten beim „Goldenen Lenkrad“ am Lausitzring, wo ich viele verschiedene Autos ausprobieren darf – von Kleinwagen bis Luxusklasse. Einen Rennwagen besitze ich noch nicht, aber wenn, dann bräuchte ich eine Strecke, um richtig Gas zu geben.
Sie sind gebürtige Berlinerin, leben in Hamburg. Was schätzen Sie an Hamburg, und was vermissen Sie aus Berlin?
Hamburg ist überschaubarer, ich mag, dass man mit dem Fahrrad relativ schnell überall hinkommt. Berlin vermisse ich manchmal wegen der Berliner Schnauze, der offenen und schnoddrigen Art – die hanseatische Contenance ist anders, aber ich empfinde das inzwischen auch als angenehm.
Wo drehen Sie am liebsten?
Ich liebe Hamburg – wegen der Familie und der Vielfalt der Stadt, die so viele Geschichten erzählen kann. Aber auch die Berge, wie bei dem Dreh der „Bergretter“ am Dachstein, haben mich begeistert. Und als ich mal eine Pferdehof-Besitzerin spielen durfte, hat mir das natürlich ebenfalls sehr gefallen, weil ich selbst reite.
Als HSV-Fan: Was macht den Fußball für Sie aus?
 Im Stadion können Menschen ihre Emotionen frei zeigen – Freude, Ärger, alles rauslassen. Das gemeinsame Erleben ist einzigartig. Wenn es unsportlich oder unfair wird, dann bin ich allerdings raus.
Sie engagieren sich für soziale Projekte wie „Der Hamburger Weg“, „Hamburg gibt 8“ und „HVV. Sicher unterwegs“. Warum ist Ihnen das wichtig?
Ich finde es richtig, meine Bekanntheit zu nutzen, um Menschen auf Themen aufmerksam zu machen, die mir wichtig sind. In der Kampagne „HVV. Sicher unterwegs“ geht es darum zu ermutigen, Zivilcourage zu zeigen – auch in kleinen Situationen, etwa wenn jemand mit Kinderwagen in den Bus steigen will und Hilfe benötigt. Viele Menschen ziehen sich leider zurück und sehen andere nicht oder wollen sie nicht sehen.
Blicken wir nach vorne: Gibt es Traumrollen oder Wünsche?
Ich träume schon lange davon, einen Bauernhof mit Tieren und Obstbäumen zu haben. Schauspielerisch reizt mich eine Märchenrolle, ein Pferdefilm oder auch mal eine verrückte, unsympathische Figur zu spielen. Es gibt Tausend Dinge, die ich mir gut vorstellen könnte. Mein Bauchgefühl wird mich gut beraten, wenn ein tolles Angebot kommt.

Diesen Beitrag teilen