Arterien-Verkalkung: Wie es bei einem Skifahrer wieder bergauf ging

Arterien-Verkalkung: Wie es bei einem Skifahrer wieder bergauf ging


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Kalkablagerungen in den Blutgefäßen der Beine können zu Schmerzen und schlimmstenfalls sogar zu Amputationen führen. Einem 59-jährigen Hamburger Hobby-Skifahrer hat dies nicht nur den Urlaubsspaß verdorben – er konnte zuletzt nur noch kurze Strecken laufen. Sein Glück: Er fand ein Krankenhaus, das seine Arterie im Unterschenkel mit einem neuen Ultraschall-Verfahren von innen wieder aufgedehnt und glatt gemacht hat.

Bei Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße greifen Ärzt:innen immer seltener zum Skalpell – sie nutzen seit vielen Jahren immer häufiger Katheter, Drähte und Mini- Ballons, die sie in Arterien einführen und so direkt zum Problemort vordringen, beispielsweise beim Weiten von Herzkranzgefäßen oder Beinarterien mit kleinen Ballons und Stents, also Gefäßstützen. Diese werden über die Blutbahn durch Katheter zum Herzen oder in das Bein geschoben, aufgedehnt und eingesetzt. 

Mehr Platz in der Arterie schaffen 

Stark verkalkte Engstellen der Gefäße sind weiter eine Herausforderung für eine Behandlung. Vor dem Einsetzen eines Stents ist es zwingend erforderlich, diesem im Gefäß ausreichend Platz zu schaffen. Kann der Ballon oder der Stent aufgrund starker Verkalkungen nicht voll entfaltet werden, so stellt dies ein erhebliches Risiko für einen erneuten Verschluss dar. Um solche Verkalkungen auch im Becken- und Beinbereich aufzulösen und Blutbahnen an verhärteten Stellen wieder geschmeidig zu machen, verwenden die Gefäßexperten am Kath. Marienkrankenhaus eine neue Technik: die Stoßwellentherapie durch Ultraschall. 

Schockimpulse zerkleinern Kalk 

Bei dem neuen Verfahren wird über einen Katheter minimalinvasiv ein Draht an die verengte oder verhärtete Stelle der Ader geführt. Dort werden dann über mehrere Minuten bis zu 300 Hoch- Energie-Schockimpulse abgegeben. Der Kalk in der Arterienwand wird dadurch brüchig und zerkleinert, sodass die Arterie hier so flexibel und weich wird, dass sie anschließend gut erweitert werden kann. Für Patient:innen, die mitunter schon länger unter Schmerzen in den Beinen leiden, ist die Behandlung sehr schonend und unkompliziert, weil nicht einmal eine Vollnarkose vonnöten ist. 

Deutlich geringeres Risiko einer Gefäßverletzung 

Dr. Ingmar Nowak, Leitender Oberarzt am Marienkrankenhaus Hamburg, ist von der Sicherheit des Behandlungsverfahrens begeistert: „Bisher war bei starker Gefäßverkalkung das Risiko einer Gefäßverletzung und einer Embolie, also dem Verschleppen von Partikeln in andere Bereiche, deutlich höher. Nach dem Zerkleinern des Kalks in der Gefäßwand per Ultraschall werden die starren Adern wieder flexibel – sie können in der Regel von innen mit Ballons geweitet und falls nötig mit Stents versorgt werden, sodass die Beschwerden verschwinden.“ So auch bei Ulf C. (siehe seine Geschichte).

Wie ein Lottogewinn – endlich schmerzfrei! 

Tagebuch des begeisterten Skifahrers Ulf C., dessen Schmerzen im rechten Bein immer schlimmer wurden.

13. November 2020: Immer häufiger muss ich nach 300 bis 500 Metern Laufen kurz anhalten, weil der rechte Unterschenkel schmerzt. Er fühlt sich so an, als sei er zu. Der Fuß kribbelt, wird immer wieder kalt. Ich mache doch dreimal in der Woche Sport. Woran könnte es liegen?

28. Januar 2021: Bin im Skiurlaub – irgendwie geht es nicht so gut wie sonst. Ich habe Schmerzen im rechten Unterschenkel. 

14. Februar 2021: Mein Orthopäde hat mich in das Krankenhaus in meiner Nähe geschickt – dort wurde heute ein MRT gemacht, das zeigt: Die Arterie unterhalb meines Knies ist sehr verengt, offenbar Verkalkung, Arterienverschluss. Schaufenster- Krankheit, meine Schwiegermutter hat das auch. Der Gefäßchirurg rät mir zu einer Operation, ist sich aber nicht sicher, ob sie Erfolg bringt. Er spricht davon, dass mir schlimmstenfalls eine Amputation droht. 

20. August 2021: Ich halte die Schmerzen irgendwie aus, aber es wird immer schlimmer. Mein Bewegungsradius wird immer kleiner. Liegt es an meiner Corona- Erkrankung? Offenbar werde ich wohl schneller altern. 

27. Februar 2022: Ich entscheide zusammen mit meiner Frau, mir eine zweite Meinung einzuholen. Im Internet finde ich Informationen darüber, dass das Marienkrankenhaus Hamburg eine neue Methode zur Behandlung von Arterienverkalkung im unteren Körperbereich anbietet.

13. März 2022: Lasse meine Beinarterien im Marienkrankenhaus untersuchen und werde über die neue Ultraschall-Behandlungsmethode aufgeklärt. Ich gewinne Vertrauen, dass wie beim Einsetzen von Stents in meinen Herzkranzgefäßen eine Behandlung der verengten Stelle im Bein per Katheter funktionieren kann. 

27. April 2022: Gestern war die OP. Ohne Narkose habe ich alles bei vollem Bewusstsein miterlebt: Den Ultraschall habe ich mit ein paar Klack-Geräuschen mitbekommen. Als anschließend das Kontrastmittel gespritzt wurde, habe ich zum ersten Mal seit Langem wieder ein warmes rechtes Bein gehabt, bis zum äußeren Zeh. Nach einer Nacht im Krankenhaus konnte ich heute ohne Schmerzen nach Hause gehen – es fühlt sich an wie ein Lottogewinn. 

26. Mai 2022: Bin sehr happy, dass ich am heutigen Vatertag mit meinen Freunden wieder schmerzfrei eine Fahrradtour machen konnte. 30 Kilometer sind wir gefahren. Gute Voraussetzungen für den nächsten Skiurlaub. 

16. August 2022: Nach drei Kontrollen in vier Monaten kann ich sagen: Es war eine gute Entscheidung, mir damals eine zweite Meinung einzuholen und diese neue Behandlungsmethode zu nutzen. Ich bin weiter schmerzfrei und freue mich auf meinen Skiurlaub Anfang nächsten Jahres.


Beitragsbild: © Shockwave Medical GmbH_Gefässglättung

 
 
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