Aus tiefstem Herzen

Aus tiefstem Herzen


Image

Sich voll und ganz einer Sache hingeben und dabei Gutes tun – mit ihrem 2005 gegründeten Verein Lebensherbst e. V. zur Unterstützung pflegebedürftiger älterer Menschen macht Mariella Ahrens genau das. Im Interview mit „gute besserung!“ spricht die Schauspielerin über die schönen und weniger schönen Momente des Alterns.

Ihren Verein „Lebensherbst e. V.“, der sich um die Belange von Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen kümmert, gibt es heute seit rund 14 Jahren. Was hat Sie dazu bewogen, den Verein zu gründen?

Ich bin bei meinen Großeltern in Bulgarien aufgewachsen. Daher ist es für mich seit jeher normal, für die ältere Generation da zu sein – sich um sie zu kümmern. Mit Mitte 30 habe ich mich verstärkt mit dem Thema Altenpflege auseinandergesetzt und erfahren, dass die Lebensumstände in vielen Einrichtungen zu wünschen übrig lassen. Daran wollte ich etwas ändern, fand aber keine Anlaufstelle. Also habe ich einen eigenen Verein gegründet, um Abwechslung und Freude in den oft tristen Heimalltag zu bringen.

Wie sind Sie auf den Namen „Lebensherbst“ gekommen?

Das war eher Zufall. Mir hat das Wortspiel gefallen. Der Herbst ist eine Jahreszeit, die ich sehr mag und die wirklich schön sein kann. Zwar neigt sich das Jahr dem Ende entgegen, aber es gibt auch in diesen Monaten noch eine Menge zu erleben. Genauso wie im Alter.
Eines der Heime, das durch Ihren Verein unterstützt wird, befindet sich in Hamburg-Eimsbüttel. Wie entscheiden Sie, welche Einrichtungen Sie betreuen? Entweder erhalten wir konkrete Anfragen oder wir suchen selbst nach Häusern, deren Bewohnerinnen und Bewohner auf Sozialhilfe angewiesen sind. Diese Menschen wollen wir unterstützen.

Weshalb?

Die Seniorinnen und Senioren, die wir betreuen, sind häufig von Altersarmut betroffen und können sich nichts, was über die Grundsicherung hinausgeht, leisten. Uns geht es um mehr Lebensqualität, Respekt und Anerkennung der Lebensleistung. Mit Besuchsaktionen, Festen, Konzerten und Ausflügen möchten wir ihren Alltag verschönern und erleichtern. Außerdem richten wir in ganz Deutschland Senioren-Treffpunkte ein und erfüllen Herzenswünsche.

Was sind das für Wünsche?

Ganz unterschiedliche. Manche Dinge erscheinen für uns Jüngere banal: Zeit gemeinsam mit anderen verbringen, vorgelesen bekommen, zusammen singen. Wir sind aber auch schon mit einer Gruppe an die Ostsee gefahren oder haben einen Hubschrauberrundflug über Hamburg organisiert. Meist geht es einfach darum, etwas zu erleben.

Gibt es eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich denke gern an eine Bewohnerin, die sich einen Kühlschrank für ihr Bett gewünscht hat. Die bettlägerige Dame wollte sich ein Stück Selbstständigkeit bewahren. Das war ihr Herzenswunsch. Der schönste Lohn unserer Arbeit ist jedes Mal aufs Neue, wie dankbar und herzlich die Bewohnerinnen und Bewohner sind. Es ist so wichtig, den Menschen das Gefühl zu vermitteln, wahrgenommen zu werden.

Bei all diesen freudigen Momenten gibt es doch aber bestimmt auch Situationen, die nachdenklich und traurig machen. Welchen Weg haben Sie für sich gefunden, damit umzugehen?

Wenn z. B. ein Bewohner, den ich schon lange kannte, stirbt, hilft es mir, mit Freunden und Kollegen darüber zu sprechen. Fast schlimmer ist es aber, den körperlichen wie geistigen Abbau zu beobachten und nichts dagegen tun zu können. Mit diesem Gefühl der Ohnmacht kann ich nur schwer umgehen.

Wie stellen Sie sich Ihren eigenen Lebensherbst vor?

Im Rahmen von Events wie der Lebensherbst-Charity Gala in Berlin sammelt Mariella Ahrens gemeinsam mit Prominenten Spenden für den Verein.
© Lisette Bautzner

Ich hoffe, dass ich nicht schwer erkranke und noch lange aktiv bleiben kann, um mit Freunden und der Familie Zeit zu verbringen. In einer Senioren-WG zu wohnen, würde mir gefallen. Auf keinen Fall möchte ich meinen Töchtern zur Last werden.

Sie feiern in diesem Jahr Ihren 50. Geburtstag. Hat sich durch die Vereinsarbeit Ihre Einstellung zum Altern verändert?

Ja! Ich habe noch mehr Respekt vor der Generation meiner Eltern – aber ehrlich gesagt, habe ich mich vor allem erschrocken: Das Thema Altersversorgung ist eine riesige Baustelle, an der dringend gearbeitet werden muss.

Was meinen Sie damit?

Na ja, junge Menschen sollten motiviert werden, Pflegeberufe zu ergreifen. Wahrscheinlich würde es schon etwas bringen, die Ausbildung finanziell zu unterstützen. Auch was die Medien betrifft: Statt immer wieder von der großen Belastung der Pflegekräfte zu berichten, sollte viel mehr über die positiven Seiten des Berufs gesprochen werden.

Frau Ahrens, eine letzte Frage: Was haben Sie sich für das kommende Jahr vorgenommen?

Ich mache grundsätzlich nur sehr ungern Pläne. Für 2019 freue ich mich darauf, mich beruflich weiterzuentwickeln und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal in einer klassischen Komödie am Theater gespielt. Es ist immer toll, in neue Rollen zu schlüpfen, die ich sonst noch nicht gespielt habe.


Das Interview führte Gerit Luisa Gade


Beitragsbild: © Thomas Hübner

Patientenveranstaltungen

Keine Veranstaltung gefunden

Neuigkeiten

Print Friendly, PDF & Email