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Titelthema Bauch

Die Abnehmspritze – lebensrettend oder Jojo-Falle?

Fakt ist: Jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist adipös, 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen, laut Robert Koch-Institut. „Für diese Menschen kann das Medikament lebensverändernd sein“, sagt Prof. Dr. Andreas de Weerth.  

Von Caroline de Boor

„Starkes Übergewicht bzw. Adipositas (BMI >= 30) ist ein großes Gesundheitsrisiko“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologe am Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg. „Es kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Schlaganfälle, Gelenkprobleme und Diabetes Typ 2 verursachen sowie das Risiko für bestimmte Krebsarten
erhöhen.“

Wie wirkt die Spritze?

Im Medikament ist das GLP-1 (Glucagon-like Peptide 1) enthalten, das ein Sättigungshormon nachahmt und hilft, den Insulinspiegel zu regulieren. Das Peptid verlangsamt die Verdauung und hemmt das Hungergefühl sowie den Appetit. Das Ergebnis: Man isst weniger, kommt in ein Kaloriendefizit und nimmt ab. „Allerdings verliert man nicht nur Fett, sondern oft auch Muskelmasse“, warnt der Experte. „Deswegen ist es wichtig, unterstützend Krafttraining zu machen.“

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Typisch sind Beschwerden im Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfungen. Zum Beispiel, weil Menschen zu Beginn der Therapie aus Gewohnheit noch zu viel essen. Aber auch Bauchspeicheldrüsenentzündungen und Kopfschmerzen sind möglich.

Spritze gut, alles gut?

Kommt drauf an, denn die Spritze löst nicht alle Probleme. „Patientinnen und Patienten erleiden oft einen Rückfall, wenn sie das Medikament absetzen und es kommt zum Jojo-Effekt.“ Der Grund: Wer seinen Lebensstil nicht radikal geändert hat, isst mehr und nimmt zu, wenn der Hunger wiederkommt. Deswegen sollte eine psychotherapeutische Begleitung, um das Essverhalten zu analysieren und zu verändern, unbedingt Teil der Behandlung sein. Für Andreas de Weerth ist die Spritze ganz klar nur ein Hilfsmittel: „Wenn sich jeder Zweite am Alsterufer spritzt, nur um für den Sommer ein paar Kilo zu verlieren, dann läuft etwas schief.“ Sein Appell: „Man kann sich nicht gesund spritzen, sondern man muss gesund leben.“ Dennoch: „Gerade für stark übergewichtige Menschen ist die Spritze ein Lebensretter – aber eben kein Freifahrtschein.“

Abnehmspritze kurz erklärt

• FÜR WEN?
Adipositas ab BMI ≥ 30 oder ≥ 27 mit Begleiterkrankungen

• VORAUSSETZUNG?
Arztverschreibung + erfolglose Lebensstiltherapie

• KOSTEN?
250–500 €/Monat

• ERSTATTUNG?
Gesetzlich versichert nur bei Diabetes; privat versichert evtl. nach Prüfung

BMI Rechner



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70
170
BMI:
kg/m²

Untergewicht (BMI von <18,5)

Ihr BMI liegt unter dem empfohlenen Bereich. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ein gesundes Maß an Bewegung. Insbesondere bei Frauen kann Untergewicht den Zyklus und den Hormonhaushalt beeinflussen.

Normalgewicht (BMI von 18,5 – 24,9)

Ihr BMI liegt im empfohlenen Bereich. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen dabei, dieses Gewicht langfristig zu halten.

Übergewicht (BMI von 25 – 29,9)

Ihr BMI liegt über dem empfohlenen Bereich. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung, um das Risiko für Begleiterkrankungen zu minimieren. Schon kleine Veränderungen im Alltag machen oft einen Unterschied.

Adipositas (BMI von ≥30 )

Ihr BMI liegt im Bereich von starkem Übergewicht (Adipositas). Adipositas erhöht das Risiko für Begleiterkrankungen erheblich. Eine ärztliche Beratung kann helfen, passende Schritte zur Gewichtsreduktion zu finden und Sie dabei zu begleiten.

Experte für diesen Artikel:

Lächelnder Arzt mit Brille im weißen Kittel vor blauer Glaswand, Hände in den Taschen.

PROF. DR. ANDREAS DE WEERTH
Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologe am Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg


Fotos: Agaplesion

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