Foto: Kath. Marienkrankenhaus
Der Clip wird unter Ultraschall-Sicht durch die Leiste ans schlagende Herz geführt.
Herz
Die „Klammer“ fürs Herz
Von Wiebe Bökemeier
„Stellen Sie sich die Mitralklappe im Herzen wie einen Mund mit Ober- und Unterlippe vor. Kann der nicht mehr schließen, setzen wir eine „Klammer“, den Mitralklappen-Clip: Er klemmt die Segel zusammen und schließt die weit geöffnete Stelle“, erklärt Prof. Dr. Edith Lubos, Chefärztin der Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Kath. Marienkrankenhaus. So wird die Öffnung kleiner, die Klappe kann schließen und das Blut kann wieder in die richtige Richtung fließen.
Für wen ist das geeignet?
Der Mitralklappen-Clip ist für ältere und vorerkrankte Menschen geeignet, bei denen Medikamente allein nicht mehr reichen und eine große Herzoperation zu belastend wäre. Die Klappe kann entweder direkt an den Segeln kaputt sein oder durch Vorhofflimmern oder eine Herzschwäche auseinandergezogen sein. „Dann passen die Segel nicht mehr aufeinander, weil entweder die Vorhöfe zu groß sind oder die Herzkammer“, so Lubos.
Der Clip wird nicht nur bei chronischen Erkrankungen verwendet, sondern er kann sogar im akuten Notfall wie einem Herzinfarkt, wenn die Klappe geschädigt wurde, zum Einsatz kommen.
Warum ist das so gut?
Der Eingriff dauert in der Regel nicht länger als 30 Minuten und ist risikoarm, auch weil er keine Herz-Lungen-Maschine benötigt. „Meist spüren die Patientinnen und Patienten direkt nach der OP eine Verbesserung der Atemnot”, schildert Prof. Lubos. „Ich punktiere in der Leiste, um den Clip mit Hilfe eines dünnen Katheters durch die große Vene im Körper an das schlagende Herz zu führen. Ich steuere ihn unter Ultraschall-Sicht und kann kontrolliert die Segel greifen und das Ergebnis direkt sehen. Und bei Bedarf kann ich den Clip repositionieren oder einen zweiten einsetzen. Das ist gut verträglich, die Menschen müssen nicht auf die Intensivstation und einige würden am liebsten schon am nächsten Tag nach Hause gehen. Das ist besonders bei Älteren wichtig, weil ein Aufenthalt auf der Intensivstation physisch und psychisch belastend sein kann.“
Was ändert der Clip?
„Viele merken die Erleichterung sofort, andere brauchen Wochen bis Monate, bis sich das Herz an die neue Situation gewöhnt hat“, so die Kardiologin. „Entscheidend ist die zurückgewonnene Lebensqualität: wieder Treppenstufen zu bewältigen und wieder genügend Luft für den Alltag zu haben.“
Expertin für diesen Artikel:

PROF. DR. EDITH LUBOS
Chefärztin der Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Kath. Marienkrankenhaus


