Person im weißen Arztkittel hält ein anatomisches Modell der Bauchspeicheldrüse in den Händen.

Ein Organ erkrankt selten allein

Foto: Jo Panuwat/Shutterstock

Titelthema Bauch

Ein Organ erkrankt selten allein

Die Symptome sind oft unspezifisch oder auch schmerzlos, wenn es um Leber, Bauchspeicheldrüse und Galle geht. Umso wichtiger sind eine genaue Diagnostik und ein optimales Zusammenspiel verschiedener Disziplinen.  

Von Britta Schmeis

„Manche Patientinnen und Patienten merken lange nichts, bis plötzlich die Haut oder die Augen gelb werden“, berichtet Prof. Dr. Alexander Arlt, Gastroenterologe und Chefarzt der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus Hamburg. „Die Gelbfärbung (Ikterus) ist eines der auffälligsten und entscheidendsten Symptome, wenn es um Erkrankungen der Leber und der Gallenwege geht.“ Dabei sind oft auch Galle und Bauchspeicheldrüse mitbetroffen.

Drei Organe, ein Bereich

„Diese drei Organe sind so eng miteinander verbunden, dass wir sie immer zusammen betrachten“, führt sein Kollege Dr. Vinzent Spetzler aus. Er ist Oberarzt der Viszeralchirurgie am Israelitischen Krankenhaus. „Der Hauptgallengang und die Bauchspeicheldrüse teilen sich sogar einen Ausgang in den Zwölffingerdarm.“ Im medizinischen Fachjargon heißt dieser Bereich HPB. Das steht für Hepatiko-Pankreatiko-Biliär, also: Leber (hepato), Bauchspeicheldrüse (pankreatiko) und Galle (biliär).

Hand in Hand

Und so eng wie diese drei Organe miteinander agieren, arbeiten im Israelitischen Krankenhaus auch die Abteilungen Chirurgie, Gastroenterologie und Onkologie zusammen. Das beginnt schon bei der Diagnose. „Gerade bei Menschen mit Verdacht auf eine Erkrankung der Gallenwege, können wir mit einer sogenannten Cholangioskopie abklären, ob es sich um eine Entzündung oder möglicherweise eine bösartige Veränderung handelt“, erklärt Arlt. Hinter diesem Fachbegriff verbirgt sich ein dünner, flexibler Schlauch mit Minikamera, der direkt in die Gallenwege eingeführt wird. So können diese engen Röhrchen nicht nur live und gestochen scharf von innen betrachtet werden, sondern gleichzeitig Gewebeproben entnommen und Gallensteine zertrümmert oder entfernt werden.

Ultraschall von innen

Ein weiteres modernes Verfahren ist die High- End-Endosonografie. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Bauchspeicheldrüse untersucht werden muss. „Das Gerät ermöglicht einen Ultraschall von innen, sodass wir selbst kleinste Veränderungen erkennen können“, sagt Arlt. Auch Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Zysten können so diagnostiziert und ebenso unklare Schmerzen oder Entzündungen im Bauchraum abgeklärt werden. „Gemeinsam mit dem chirurgischen Team um Chefarzt Prof. Dr. Jan-Hendrik Egberts entscheiden wir dann, ob und welche OP sinnvoll ist und welches Verfahren zum Einsatz kommt“, erklärt Oberarzt Spetzler. Und wieder gehen Gastroenterologie und Chirurgie Hand in Hand.

Experten für diesen Artikel:

Arzt (Prof. Dr. Alexander Arlt) im weißen Kittel mit leichtem Bart, freundlich vor hellem Klinik-Hintergrund.

PROF. DR. ALEXANDER ARLT
Gastroenterologe und Chefarzt der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus Hamburg

Junger Arzt im weißen Kittel, lächelnd vor hellem Hintergrund.

DR. VINZENT SPETZLER
Oberarzt der Viszeralchirurgie am Israelitischen Krankenhaus

Fotos: Israelitisches Krankenhaus Hamburg

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