EINSAMKEIT BEWÄLTIGEN IN CORONA-ZEITEN

EINSAMKEIT BEWÄLTIGEN IN CORONA-ZEITEN


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Beim Thema Einsamkeit richtet sich der Blick oft auf ältere Menschen ohne Familie und aktives soziales Leben. Die Corona-Pandemie hat aber auch viele junge Menschen einsam gemacht.

Wenn die sozialen Beziehungen vorübergehend nicht mit den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen im Einklang sind, erleben wir Einsamkeit. In den letzten zwei Jahren hat sich der Alltag vieler Menschen über eine lange Zeit so stark verändert, dass dieses negative Gefühl chronisch geworden ist. Man fühlt sich isoliert, zurückgeworfen und nicht mehr als Teil einer Gemeinschaft. Prof. Dr. Sönke Arlt, Chefarzt des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie im Albertinen Krankenhaus in Hamburg, gibt Tipps, um aus einer solchen psychischen Krise herauszukommen, und rät, rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen. 

DURCH CORONA VOR ALLEM JÜNGERE GENERATION BETROFFEN 

„Insbesondere jüngere Menschen haben während der Lockdowns durch die Isolation verstärkte Sehnsucht nach sozialem Austausch erfahren“, so Prof. Arlt. Wenn regelmäßige Treffen mit dem Freundeskreis und das Zusammensein in der Schule, in der Uni oder bei der Arbeit fehlen, dann fühlen sich viele Menschen alleine oder sogar einsam. 

WAS KANN MAN GEGEN EINSAMKEIT TUN? 

„Ganz wichtig ist es, auch bei Kontaktbeschränkungen im Austausch mit anderen Menschen zu bleiben bzw. bei den derzeitigen Lockerungen wieder in Kontakt zu kommen. Die digitalen Medien bieten dazu besonders viele Möglichkeiten. Aber auch das Telefon und der klassische Brief eignen sich gut, um mit seinem Umfeld aktiv in Kontakt zu bleiben“, so der Psychiater und Psychotherapeut. Wichtig sei es auch, jetzt wieder aktiv aufeinander zuzugehen und sich – unter Einhaltung von Hygieneregeln – wieder zu verabreden. Längere Phasen der Isolation sind nicht gut für die psychische Gesundheit und können zu einer Depression oder anderen psychischen Erkrankungen führen. Das Gefühl, gebraucht zu werden, ist hier ein ganz wesentlicher Faktor. Deshalb rät der Hamburger Chefarzt auch, wieder aktiv das Haus zu verlassen, sich zum Beispiel zu gemeinsamen Aktivitäten zu verabreden oder vielleicht sogar ehrenamtlich tätig zu werden. 

WANN SOLLTE MAN PROFESSIONELLE HILFE SUCHEN? 

Psychische Krisen können jeden Menschen treffen. „Das Gefühl, hoffnungs- und antriebslos zu sein, ist in jedem Fall ein Warnsignal, kritisch wird es bei lebensüberdrüssigen Gedanken, spätestens dann sollte man sich professionelle Hilfe suchen.“ Prof. Arlts Erfahrung zeigt: „Es ist ratsam, sich eher früher helfen zu lassen, als sich immer weiter zu isolieren und in ein emotionales Tief zu fallen.“ In der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Psychotherapieplätzen zwar um etwa 40 Prozent gestiegen und die Wartezeit sei mit einigen Monaten nicht kurz, Akutfälle würden aber wesentlich schneller vermittelt und Betroffene könnten sich auch in Ambulanzen und Notfallsprechstunden von Krankenhäusern vorstellen.

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Beitragsbild: © ina9 / shutterstock

 
 
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