Erschöpft – und was nun?!

Erschöpft – und was nun?!


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Viele Menschen fühlen sich in der heutigen Zeit erschöpft, haben wenig Kraft, zu wenig Energie. In Deutschland reicht die Spannbreite der Sich-Erschöpft- Fühlenden je nach Untersuchung und Altersgruppe von 20 % bis etwa 60 %.

Akute Erschöpfung ist in der Regel reversibel, also heilbar, und ist bei Gesunden nicht krankhaft. Vielmehr stellt sie wie z. B. akute Angst, einen Schutzmechanismus für den Menschen dar, um Überlastung, Überforderung, Leerung der Energiespeicher und letztlich Erkrankung zu vermeiden. Erschöpfung wird dann pathologisch, wenn sie zu stark ausgeprägt ist, zu lange andauert, in keinem Verhältnis zu der gegebenenfalls vorausgegangenen Aktivität steht und sich nicht durch Schlaf bzw. Ruhe verbessert. 

Erschöpfung kann Symptom oder eigenständige Krankheit sein 

Erschöpfung kann als Symptom körperlicher Erkrankungen (z. B. Infektionen wie Corona und Long Covid, Karzinome, Rheuma, Schilddrüse) und psychischer Erkrankungen (z. B. Depressionen, Ängste, Alkoholmissbrauch) auftreten, aber auch als eigenständige Diagnose besonders im Rahmen von Stresserkrankungen. An der Entstehung sind meist unterschiedliche Faktoren aus biologischen, psychologischen und psychosozialen Bereichen beteiligt. Chronische Erschöpfung entsteht dann, wenn das Energiegleichgewicht gestört ist, d. h. mehr Energie verbraucht als gewonnen wird. Dies geschieht häufig, wenn der Mensch besonderen Belastungen, körperlich oder emotional, ausgesetzt ist. Für viele Menschen ist es nicht so leicht, die Grenze der eigenen Belastbarkeit vorauszusehen (sog. Vorhersagefehler) und frühzeitig einzugreifen. Erschöpfung ist ein großes Risiko für körperliche und seelische Erkrankungen, besonders für Depressionen. 

Stressoren erkennen und für Erholung sorgen 

Neben Therapie der zugrunde liegenden körperlichen Erkrankung existieren vielfältige Maßnahmen auf biologischer und psychologischer Ebene, die kurz- wie langfristig gute Effekte zeigen können. Hierbei ist es wichtig, Gründe für die Überlastung zu identifizieren, die sowohl in der Umgebung als auch bei einem selbst liegen können. Hierfür bedarf es nicht selten professioneller Unterstützung. Lässt sich der Stressor ändern, oder mein Umgang damit? Kann ich Maßnahmen ergreifen, um mich besser zu erholen und zu regenerieren? Hier spielt der Vagusnerv als Verbindung zwischen Körper und Seele eine besondere Rolle. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, das Trainieren von Entspannung, wozu sich verschiedene Apps anbieten, die Schaffung von Ausgleich, positiver emotionaler Beziehungen und Sinnhaftigkeit. Viel Erfolg, entdecken Sie Tankstellen! 

Prof. Dr. Matthias R. Lemke, Ärztlicher Direktor, Heinrich Sengelmann Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

FAZIT FÜR DIE PRAXIS 
Maßnahmen bei chronischer Erschöpfung: 

  • URSACHEN IDENTIFIZIEREN (Stress, körperliche Erkrankung, Überforderung u. a.)
  • Selbst MASSNAHMEN ZUR STRESSREDUKTION einleiten 
  • KÖRPERLICHE ABKLÄRUNG (Hausarzt, EKG, Laboruntersuchungen)
  • AMBULANTE PSYCHOSOMATISCHE oder PSYCHOTHERAPEUTISCHE BEHANDLUNG 
  • Bei Fortbestehen möglicherweise STATIONÄRE PSYCHOSOMATISCHE BEHANDLUNG

 


Beitragsbild: © Krakenimages.com / shutterstock

 
 
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