Fruchtzucker: manchmal schwer zu verdauen

Fruchtzucker: manchmal schwer zu verdauen


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Oft ist sie nicht einfach zu erkennen: eine Fruktose-Intoleranz. Denn die Symptome ähneln anderen Erkrankungen im Darmbereich. Doch häufig lassen sich Beschwerden ohne kompletten Verzicht lindern.

Wer dauerhaft Bauchbeschwerden wie Blähungen oder Durchfall hat, könnte darunter leiden, dass Fruchtzucker (Fruktose) vom eigenen Körper nicht ausreichend verdaut wird. Schätzungen zufolge ist jeder vierte Erwachsene davon betroffen. Ein Atem-Test kann jedoch schnell Klarheit bringen: Auf nüchternen Magen trinken Patient:innen Tee, der 25 Gramm Fruktose enthält. „Wird der Fruchtzucker nicht ausreichend vom Dünndarm ins Blut aufgenommen, gelangt er in den Dickdarm. Dieser wandelt ihn in Wasserstoff um, der dann über die Blutbahn und die Lunge ausgeschieden wird. Lässt sich also ein hoher Wasserstoff-Anteil im Atem nachweisen, ist dies ein deutliches Zeichen für eine Fruktose-Intoleranz“, erklärt Dr. Viola Andresen, Leitende Ärztin am Ikaneum des Israelitischen Krankenhauses. 

Fruchtzucker ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten 

Fruchtzucker ist nicht nur in Obst, Fruchtsäften, Haushaltszucker und sogar in Honig enthalten, sondern inzwischen auch in vielen industriell gefertigten Nahrungsmitteln und in Nahrungsergänzungsmitteln. Damit der Dünndarm ihn in die Blutbahn aufnehmen kann, braucht er ein Transporter- Eiweiß. Da die Menge dieser Eiweiße von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, variiert auch die verdaubare Menge von Fruchtzucker. Wer also schnell mit seinen Transporter-Eiweißen im Darm an die Grenzen kommt, bekommt entsprechende Beschwerden. Dann geht es darum, nur so viel Fruchtzucker aufzunehmen, wie im Dünndarm verarbeitet werden kann. Mit einem Ess- und Symptom-Tagebuch können Patient:innen erkennen, welche Lebensmittel sie gut vertragen und welche sie schlechter verdauen können. Zudem erhalten sie Aufschluss darüber, ab welcher Menge der Darm unruhig wird. Wie sich jemand mit diagnostizierter Fruktose-Unverträglichkeit am besten darauf einstellt, lässt sich in einer Ernährungsberatung herausfinden. 

Entscheidend: individuell aufnehmbare Mengen 

„Generell bedeutet weniger Zucker mehr Ruhe im Darm“, so Dr. Andresen. „Also lieber Obst in reduzierten Mengen als Cola oder Fanta.“ Komplett auf Obst zu verzichten wie bei anderen Unverträglichkeiten, sei häufig langfristig nicht notwendig. „Es geht um die individuell aufnehmbaren Mengen“, erläutert die Leiterin des Ernährungsteams. Und diese sind ganz unterschiedlich. Nur ganz selten kommt eine vererbte Intoleranz vor, bei der Betroffene Fruchtzucker komplett meiden müssen.


Beitragsbild: © Pexels / Anna Tarazevich

 
 
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