Foto: Anastasia Boiko/Shutterstock

Titelthema Kopf

Kein Kopf wegen Migräne

Hinter der Stirn hämmert‘s und jede Bewegung, jedes Geräusch, aber auch Licht verschlimmern alles: das klingt nach einer Migräneattacke. Welche Medikamente akut und auch vorbeugend helfen, weiß Dr. Florian Lienau.

Von Caroline de Boor

Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit und trifft Frauen bedeutend öfter,“ bestätigt der Chefarzt der Neurologie am Kath. Marienkrankenhaus. Am wichtigsten sei, dass Betroffene auf ihre Trigger achten und ihren Lebensstil überprüfen: regelmäßiger Schlaf, Sport und Stressmanagement können vorbeugend wirken. Kommt es dennoch zu Attacken, helfen Migräne-Medikamente.

Triptane: der Standard

Wenn einfache Schmerzmittel nicht ausreichen, greift man bei akuter Migräne in der Regel zu Triptanen. Diese Medikamente (meist Tabletten) wirken gezielt an Serotonin-Rezeptoren und sind entzündungshemmend. „In vielen Fällen lässt sich eine Attacke damit innerhalb von zwei Stunden beenden“, so Lienau. Da sie aber die geweiteten Blutgefäße im Gehirn verengen, sind sie nicht für Menschen mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall geeignet.

Mögliche Nebenwirkungen: Betroffene können einen medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz entwickeln, wenn sie Triptane zu häufig nehmen. Ebenso können Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit auftreten.

CGRP-Antikörper: der Gamechanger

Die monoklonale Antikörper-Therapie unterscheidet sich grundlegend vom Wirkmechanismus der Triptane. Während einer Migräneattacke wird der Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) vermehrt freigesetzt. Die Antikörper blockieren das CGRP und unterbrechen so die Signalkette der Migräne. Dafür spritzt man sich vorbeugend, meist monatlich, Antikörper mit Fertig-Pens ins Unterhautfettgewebe (z. B. in den Bauch oder Oberschenkel). Das reduziert deutlich die Migränetage und kann in einigen Fällen fast vollständig Attacken verhindern.
Eingesetzt werden sie bei Menschen, die besonders häufig unter schweren Attacken leiden (mind. vier Tage pro Monat) und wenn andere Mittel nicht helfen oder geeignet sind. „Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Arzt gezielt auf die Antikörper an, wenn Sie mit anderen Medikamenten nicht zurechtkommen“, rät Dr. Lienau.

Mögliche Nebenwirkungen: Es können Verstopfungen oder Reaktionen an der Injektionsstelle auftreten.

Gepante: die Triptan-Alternative

Gepante sind eine neue Klasse von Medikamenten in Tablettenform, die akut bei Attacken als auch vorbeugend helfen. Sie blockieren ebenfalls die Andockstellen für CGRP und sind auch für Menschen geeignet, die Triptane nicht vertragen.

Mögliche Nebenwirkungen: Es können Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit sowie Verstopfungen auftreten.

Wer unter Migräne leidet, muss die Attacken heutzutage also nicht still im dunklen Kämmerlein ertragen, sondern kann auf wirksame Medikamente zurückgreifen.

Experte für diesen Artikel:

Porträt des Arztes Dr. Florian Lienau mit kurzen braunen Haaren und freundlichem Lächeln vor hellem Hintergrund. Er trägt einen weißen Arztkittel über einem hellblauen Hemd mit gestreifter Krawatte und blickt direkt in die Kamera.
DR. FLORIAN LIENAU

Chefarzt der Neurologie am Kath. Marienkrankenhaus

 


Fotos: Kath. Marienkrankenhaus

Diesen Beitrag teilen