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Titelthema Kopf
Kein Kopf wegen Migräne
Von Caroline de Boor
Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit und trifft Frauen bedeutend öfter,“ bestätigt der Chefarzt der Neurologie am Kath. Marienkrankenhaus. Am wichtigsten sei, dass Betroffene auf ihre Trigger achten und ihren Lebensstil überprüfen: regelmäßiger Schlaf, Sport und Stressmanagement können vorbeugend wirken. Kommt es dennoch zu Attacken, helfen Migräne-Medikamente.
Triptane: der Standard
Wenn einfache Schmerzmittel nicht ausreichen, greift man bei akuter Migräne in der Regel zu Triptanen. Diese Medikamente (meist Tabletten) wirken gezielt an Serotonin-Rezeptoren und sind entzündungshemmend. „In vielen Fällen lässt sich eine Attacke damit innerhalb von zwei Stunden beenden“, so Lienau. Da sie aber die geweiteten Blutgefäße im Gehirn verengen, sind sie nicht für Menschen mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall geeignet.
Mögliche Nebenwirkungen: Betroffene können einen medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz entwickeln, wenn sie Triptane zu häufig nehmen. Ebenso können Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit auftreten.
CGRP-Antikörper: der Gamechanger
Die monoklonale Antikörper-Therapie unterscheidet sich grundlegend vom Wirkmechanismus der Triptane. Während einer Migräneattacke wird der Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) vermehrt freigesetzt. Die Antikörper blockieren das CGRP und unterbrechen so die Signalkette der Migräne. Dafür spritzt man sich vorbeugend, meist monatlich, Antikörper mit Fertig-Pens ins Unterhautfettgewebe (z. B. in den Bauch oder Oberschenkel). Das reduziert deutlich die Migränetage und kann in einigen Fällen fast vollständig Attacken verhindern.
Eingesetzt werden sie bei Menschen, die besonders häufig unter schweren Attacken leiden (mind. vier Tage pro Monat) und wenn andere Mittel nicht helfen oder geeignet sind. „Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Arzt gezielt auf die Antikörper an, wenn Sie mit anderen Medikamenten nicht zurechtkommen“, rät Dr. Lienau.
Mögliche Nebenwirkungen: Es können Verstopfungen oder Reaktionen an der Injektionsstelle auftreten.
Gepante: die Triptan-Alternative
Gepante sind eine neue Klasse von Medikamenten in Tablettenform, die akut bei Attacken als auch vorbeugend helfen. Sie blockieren ebenfalls die Andockstellen für CGRP und sind auch für Menschen geeignet, die Triptane nicht vertragen.
Mögliche Nebenwirkungen: Es können Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit sowie Verstopfungen auftreten.
Wer unter Migräne leidet, muss die Attacken heutzutage also nicht still im dunklen Kämmerlein ertragen, sondern kann auf wirksame Medikamente zurückgreifen.
Experte für diesen Artikel:

DR. FLORIAN LIENAU
Chefarzt der Neurologie am Kath. Marienkrankenhaus



