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Schilddrüse
Knoten in der Schilddrüse? Über 60 weit verbreitet
Sie sitzen tief im Hals, machen selten Beschwerden und kommen dennoch häufig vor: Schilddrüsenknoten. Wie gefährlich sind sie und wann muss man handeln?
Von Inga Kleine
Die Schilddrüse ist klein, schmetterlingsförmig und sitzt am unteren Hals. Als zentrales Hormonorgan beeinflusst sie nahezu alle Körperfunktionen. Was viele nicht wissen: Knoten in der Schilddrüse sind keine Seltenheit: „In Deutschland hat etwa jeder dritte Erwachsene solche Veränderungen – oft, ohne davon etwas zu merken. Bei Menschen über 60 Jahren sind es sogar rund 50 Prozent“, erklärt Prof. Dr. Ernst von Dobschütz, Chefarzt Zentrum für Endokrine Chirurgie am Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus. „Die häufigste Ursache ist ein Jodmangel, der in Deutschland nach wie vor verbreitet ist. Dazu kommt eine familiär-genetische Veranlagung.”
Viele Knoten werden zufällig entdeckt, beispielsweise bei einer Routineuntersuchung mittels Ultraschall. Ihre Größe kann dabei stark variieren: von wenigen Millimetern bis hin zu fünf oder sechs Zentimetern. Beschwerden wie ein Engegefühl im Hals, Schluckbeschwerden oder sogar Atemnot treten meist erst auf, wenn die Knoten größer werden und auf Luftröhre oder Speiseröhre drücken.
Heiß oder kalt?
Nicht alle Knoten sind gleich. Man unterscheidet zwischen heißen und kalten. Heiße Knoten produzieren vermehrt Schilddrüsenhormone, was im schlimmsten Fall zu einer Überfunktion führen kann, die in der Regel gut behandelbar ist. Kalte Knoten hingegen haben ihre Hormonproduktion weitgehend eingestellt. Auch sie sind in vielen Fällen gutartig, doch in drei bis fünf Prozent der Fälle steckt eine bösartige Veränderung dahinter.
Nicht jeder Knoten muss raus
Aber niemand landet automatisch auf dem Operationstisch. Viele Knoten werden zunächst einfach beobachtet, solange sie keine Beschwerden verursachen und im Ultraschall unauffällig bleiben.
Und auch, wenn ein Eingriff nötig ist, muss es nicht gleich das Skalpell sein. Verfahren wie die Radiofrequenzablation ermöglichen es, Knoten gezielt zu verkleinern, indem Hitze eingesetzt wird, um krankhaftes Gewebe zu zerstören.
„Wenn wir doch operieren müssen, handelt es sich um einen Routineeingriff, bei dem häufig nur ein Teil der Schilddrüse entfernt wird”, so der Experte. Oft produziert der Körper danach weiterhin ausreichend Hormone – andernfalls hilft eine Tablette täglich.
Reicht jodiertes Speisesalz zur Vorsorge?
Zum Kochen jodiertes Speisesalz zu verwenden, ist ein wichtiger erster Schritt. Doch allein reicht es meist nicht aus, um den täglichen Bedarf zu decken. „Seefisch, Milchprodukte und – nach ärztlicher Rücksprache – auch Jodtabletten helfen, die Versorgung zu sichern“, schließt Prof. von Dobschütz.
Experte für diesen Artikel:

PROF. DR. ERNST VON DOBSCHÜTZ
Chefarzt Zentrum für Endokrine Chirurgie am Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus



