Foto: pics five/Shutterstock
Geriatrie
Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben im Alter
Schwindel, Vergesslichkeit, Gewichtsverlust – im Alter treten oft mehrere Beschwerden gleichzeitig auf. Doch was steckt dahinter? Geriatrische Institutsambulanzen helfen, den Überblick zu behalten und sorgen für mehr Sicherheit im Alltag.
Von Inga Kleine
Frau Berger ist 85 und eigentlich immer gut zurechtgekommen. Doch seit einigen Monaten fühlt sie sich unsicher auf
den Beinen, vergisst häufiger Termine und irgendwie fehlt ihr auch der Appetit. „Ist das einfach das Alter?“, fragt sie sich. „Oder steckt mehr dahinter?“
Genau für solche Situationen gibt es die geriatrischen Institutsambulanzen (GIA). Sie bieten Menschen über 70 eine umfassende Abklärung und eine individuelle Beratung. Für viele Betroffene ist das der erste Schritt zu mehr Klarheit und zu einem Alltag, der wieder besser gelingt.
Den ganzen Menschen im Blick
Mit zunehmendem Alter wird Gesundheit oft komplexer: Mehrere Erkrankungen treten gleichzeitig auf, Medikamente müssen sorgfältig abgestimmt werden und auch die Lebenssituation spielt eine große Rolle. In einer geriatrischen Institutsambulanz geht es deshalb nicht nur um einzelne Symptome, sondern um den Menschen in seiner Gesamtheit – mit seinen Beschwerden, aber auch mit dem, was noch gut gelingt.
Dafür wird ein sogenanntes geriatrisches Assessment durchgeführt. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine gründliche Untersuchung, bei der verschiedene Fachleute zusammenarbeiten – etwa aus der Physiotherapie, Logopädie oder Neuropsychologie.
Gemeinsam schauen sie:
- Wo gibt es Einschränkungen?
- Welche Fähigkeiten sind noch gut erhalten?
- Und welche Unterstützung ist sinnvoll?
Ein Termin dauert meist eineinhalb bis zwei Stunden. Wichtig zu wissen: Es geht hier nicht um Behandlung, sondern vor allem um Analyse, Beratung und Planung.
Typische Probleme – gezielt untersucht
Viele ältere Menschen kennen Beschwerden wie Unsicherheit beim Gehen, Gedächtnislücken oder Gewichtsverlust. In der GIA werden diese zentralen Problembereiche gezielt unter die Lupe genommen.
Mobilität: Warum kommt es zu Stürzen oder Schwindel? Wie lässt sich die Sicherheit im Alltag verbessern?
Kognition: Wie steht es um Gedächtnis und Konzentration? Gibt es Hinweise auf eine beginnende Erkrankung oder Folgen eines Delirs?
Ernährung: Wird ausreichend und ausgewogen gegessen und getrunken? Gibt es Schluckstörungen?
Weitere wichtige Themen
Auch Aspekte wie Gebrechlichkeit, chronische Schmerzen oder die Einnahme vieler Medikamente (Polypharmazie) spielen eine Rolle. Vor geplanten medizinischen Maßnahmen wie Operationen kann außerdem eine individuelle Risikoeinschätzung helfen, Komplikationen zu vermeiden.
Klare Empfehlung für den Alltag
Nach der Untersuchung erhalten die behandelnden Hausärztinnen und -ärzte einen ausführlichen Bericht. Darin finden sich unter anderem:
- Empfehlungen zur Anpassung der Medikamente
- Hinweise auf weitere notwendige Untersuchungen
- Vorschläge für Therapien oder Reha-Maßnahmen
- Geeignete Hilfsmittel wie Gehhilfen oder Ernährungshilfen
Die weitere Behandlung bleibt bewusst in der hausärztlichen Praxis – dort werden die Maßnahmen umgesetzt und begleitet.
Der Weg in die Ambulanz
Wichtig: Eine geriatrische Institutsambulanz kann man nicht direkt aufsuchen. Der Weg führt immer über die behandelnden Ärztinnen oder Ärzte. Gemeinsam wird entschieden, ob eine Überweisung sinnvoll ist.
Das stellt sicher, dass genau die Menschen von dem Angebot profitieren, die es wirklich brauchen.
Mehr Sicherheit – mehr Lebensqualität
Die GIA helfen dabei, die Versorgung älterer Menschen gezielt zu verbessern und sie entlasten Hausärztinnen und -ärzte.
Für Patientinnen und Patienten wie Frau Berger bedeutet der Besuch in einer GIA vor allem eines: Sicherheit im Umgang mit ihrer Gesundheit. Woher kommen die Beschwerden? Was kann helfen? Und was lässt sich vielleicht sogar verbessern?
Die Antwort ist oft beruhigend: Viele Probleme lassen sich mit der richtigen Unterstützung gezielt angehen. So steigen die Chancen, möglichst lange selbstständig zu bleiben und gut im Alltag zurechtzukommen.
Gut zu wissen
Wenn Sie oder Ihre Angehörigen unsicher sind, ob die Vorstellung in einer geriatrischen Institutsambulanz sinnvoll ist, sprechen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt an. Gemeinsam kann entschieden werden, ob dieser Schritt der richtige ist.
In diesen Geriatrischen Institutsambulanzen in Hamburg finden Sie Hilfe:
Geriatrische Institutsambulanz Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus
Haselkamp 33 · 22359 Hamburg
040.644 11-85 47
E-Mail: geriatrie@amalie.de
Geriatrische Institutsambulanz Albertinen Krankenhaus
Süntelstraße 11a · 22457 Hamburg
040.55 88-73 05
E-Mail: anmeldung-geriatrie@albertinen.de
Geriatrische Institutsambulanz Kath. Marienkrankenhaus
Alfredstraße 9 · 22087 Hamburg
040.25 46 -22 41
E-Mail: stgeritk@marienkrankenhaus.org
Geriatrische Institutsambulanz Agaplesion Diakonieklinikum
Hohe Weide 17 · 20259 Hamburg
040.790 20-28 90
E-Mail: geriatrie.dkh@agaplesion.de
Geriatrische Institutsambulanz Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf
Glindersweg 80 · 21029 Hamburg
040.725 54-12 41
E-Mail: geriatrie.bkb@agaplesion.de
Die Inhalte und Schwerpunkte der einzelnen Ambulanzen unterscheiden sich leicht. Damit Sie von Anfang an gut begleitet werden, ist es hilfreich, beim Anmelden direkt zu sagen, was am meisten belastet.



