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Familiale Pflege
Pflege will gelernt sein
Von Rüdiger Stettinski
„Viele, die Familienmitglieder zu Hause pflegen wollen, sind erst einmal verunsichert“, berichtet Heike Bäumle, Pflegetrainerin im Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf. „Sie wissen nicht, was auf sie zukommt, welche Hilfsmittel es gibt und wie sie ihre Lieben richtig pflegen.“ Bäumle, die auch Fachkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie ist, unterstützt Angehörige oft schon im Krankenhaus und begleitet sie bei den ersten Schritten in der häuslichen Pflege. „Der Krankenhausaufenthalt ist aber nicht Voraussetzung“, betont sie. „Sobald eine Pflegesituation vorliegt, kann das kostenlose Angebot genutzt werden."
Physisch und psychisch eine Herausforderung
Häufig sorgen sich Verwandte, ob sie die Pflege körperlich und emotional bewältigen können. „Ein großes Thema ist zum Beispiel das rückenschonende Arbeiten“, sagt Bäumle. „Viele wissen nicht, wie sie eine Person richtig umlagern oder ihr aus dem Bett helfen, ohne sich selbst zu überlasten.“ In Einzel- oder Gruppenschulungen zeigt sie Pflegetechniken und gibt Tipps zu Hilfsmitteln wie Pflegebetten und Einlegerahmen. Auch finanzielle und rechtliche Fragen werden geklärt. Um die psychische Belastung zu verringern, gehören regelmäßige Gesprächskreise zum Angebot. „Da berichten Pflegende von ihren Erfahrungen, tauschen sich aus und stärken sich gegenseitig“, so Bäumle. Außerdem bleibt sie als Ansprechpartnerin erreichbar. Viele Angehörige rufen sie an, wenn neue Probleme auftauchen: „Was tun, wenn sich jemand wundgelegen hat? Oder wenn Inkontinenz dazu kommt?“ Heike Bäumle hat immer ein offenes Ohr und gibt Rat.
Drei wichtige Punkte für den Start
Damit der Übergang in die häusliche Pflege gut gelingt, nennt die Pflegetrainerin drei entscheidende Punkte: „Erstens, rechtzeitig Unterstützung organisieren – sei es durch Pflegedienste, Beratungen oder Netzwerke. Zweitens, sich mit den richtigen Pflegetechniken vertraut machen und Hilfsmittel auch wirklich einsetzen. Und drittens, finanzielle und rechtliche Hilfe nutzen.“ Ihr wichtigster Rat: „Scheuen Sie sich nicht, nach unterstützender Versorgung und Hilfeleistungen zu fragen – und nehmen Sie sie dann auch an!“
Gut versorgt zu Hause
Das Team des Agaplesion Bethesda Krankenhauses Bergedorf unterstützt pflegende Angehörige individuell – auch nach der Entlassung. Alle Angebote der Familialen Pflege sind kostenfrei, unabhängig von einem Krankenhausaufenthalt und nicht an eine bestimmte Krankenkasse gebunden.
THEMEN IM ÜBERBLICK:
• Pflege zu Hause: Pflegehilfsmittel, Wohnraumanpassung, Sturzprävention
• Beratung: Pflegeversicherung, Kosten, Entlastungsangebote
• Pflegepraxis: Körper- und Hautpflege, Wund- und Stomaversorgung
• Spezielle Bedürfnisse: Inkontinenz, Schluckstörungen, Demenz, Diabetes mellitus
• Pflege nach einem Schlaganfall
• Ernährung: Ernährungsberatung und -tipps
• Vorbeugung von Zweiterkrankungen
• Mobilisation/Lagerungstechniken
• Austausch: persönliche Gespräche und regelmäßige Treffen
Expertin für diesen Artikel:

HEIKE BÄUMLE
Pflegetrainerin im Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf
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