WENN DAS LEBEN AUS DEM TAKT GERÄT

WENN DAS LEBEN AUS DEM TAKT GERÄT


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Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Querschnittlähmung – Diagnosen, die das Leben auf den Kopf stellen. Bei komplexen physischen und neurologischen Erkrankungen kann Musiktherapie die Patient:innen in schweren Zeiten unterstützen.

Musik ist für viele Menschen ein wichtiger Lebensbestandteil. Das liegt auch daran, dass sie emotionale Zentren und das Belohnungssystem des Gehirns ansprechen kann. Musik hat also großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Ihre therapeutische Wirkung wird aus diesem Grund oft in der Behandlung von neurologischen Störungen genutzt, etwa nach einer Schädel-Hirn-Verletzung, einem Schlaganfall, bei Lähmungen und komatösen Personen. Doch was ist Musiktherapie? 

Vom Zuhören zum aktiven Musizieren 

Musiktherapie ist ein erlebnisorientiertes Verfahren mit vielen Zielen: Verbesserung von Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, Kontakt- und Dialogaufbau, Förderung motorischer Funktionen und Motivation sowie emotionale Entlastung und Stabilisierung. Sie soll zudem die Krankheitsverarbeitung unterstützen. Erkrankte lassen dabei entweder Klänge auf sich wirken oder spielen selbst ein Instrument und singen. Abhängig vom geistigen Zustand und der körperlichen Fähigkeit der Patient:innen nutzen Fachkräfte unterschiedliche Therapieansätze. 

Schwingende Klänge fördern Wachheit 

„Bei neurologischen Erkrankungen gibt es keine vorgeschriebene Partitur für den Ablauf der Therapie. Die Patient:innen geben den Takt an“, erklärt Elena Nürnberg, Musiktherapeutin am BG Klinikum Hamburg, und führt aus: „Während manche Aktivierung und Stimulierung brauchen, benötigen andere Beruhigung.“ Gilt es beispielsweise, die Wachheit komatöser Personen zu fördern, kommen verschiedene Musikinstrumente zum Einsatz, etwa Gitarren oder stark schwingende Instrumente wie Klangschalen, aber vor allem auch die Stimme. 

Gesang zur Seelenpflege 

Gerade Gesang hat einen großen Stellenwert in der Musiktherapie: Summen, Vorsingen oder gemeinsames Singen führen in der neurologischen Frührehabilitation oftmals zu großen Erfolgen. Bei Sprachstörungen beispielsweise unterstützen Gesang und Rhythmus das Trainieren des Sprachvermögens. Letztendlich muss aber auf jede Person individuell eingegangen werden. Die Erfahrung von Elena Nürnberg hat gezeigt: „Positive Emotionen hervorzurufen, sich für die Patient:innen Zeit zu nehmen und Ruhe sowie Freude durch Musik in den doch eher unangenehmen Krankenhausalltag zu bringen: Das ist unheimlich wohltuend für Körper und Seele.“

Gut zu wissen: 

• Musiktherapie wird auch ambulant durchgeführt. Es gibt viele freiberufliche Musiktherapeut:innen, bei denen Familien ihre Angehörigen anmelden können. 

• Musik tut immer gut. Deshalb wirkt es sich positiv auf erkrankte Personen aus, wenn Familien ihren Angehörigen auch außerhalb der Musiktherapie ihre Lieblingsmusik vorspielen oder etwas vorsingen. „Spaß an der Freude“ ist hier das Motto.


Beitragsbild: © Halfpoint / shutterstock

 
 
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