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Titelthema Bauch
Wenn der Bauch ständig mit dem Hirn spricht
Von Britta Schmeis
Liebe geht durch den Magen, Stress leider oft auch – und das eben auch schon bei Kindern. „Das Krankheitsbild ist sehr diffus", erklärt Dr. Florian Schmid, Oberarzt Pädiatrie am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift. „Bei einigen Kindern treten die Schmerzen nach dem Essen auf, bei anderen vor dem Toilettengang.“ Die gute Nachricht: Diese sogenannten funktionellen Bauchschmerzen sind keine gefährliche Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom.
Ständiger Austausch von Informationen
Der Grund: Der Magen-Darm-Trakt ist mit mehr als 200 Millionen Nerven ausgestattet und steht über Botenstoffe im ständigen Austausch mit dem Gehirn. Das ist die Darm-Hirn-Achse. Bei manchen Kindern reagiert dieses System besonders sensibel. „Ich erkläre das gern mit einer Alarmanlage am Auto: Ist sie überempfindlich, reagiert sie auf ein Blatt, das auf das Dach fällt, bei anderen muss es schon ein schwerer Ast sein, um den Alarm auszulösen“, so der Kinderarzt.
Die Gründe für diese Übersensibilität sind noch nicht komplett geklärt. Eine vorangegangene Magen-Darm-Infektion oder eine Antibiotika-Behandlung, die den Magen-Darm-Trakt angegriffen hat, können Auslöser sein. Aber auch frühkindliche Faktoren wie schwere Erkrankungen oder der Verlauf der Geburt und genetische Veranlagungen können eine Rolle spielen.
Was hilft Kindern mit Bauchweh?
„Der Schmerz entsteht immer im Kopf, wird aber im Bauch gespürt“, betont Schmid. Wichtig sei, dass Eltern die Beschwerden ernst nehmen, aber dem Schmerz nicht zu viel Raum geben. Sein erster Therapieansatz lautet: Ablenkung, auch damit nicht zusätzlich Angst vor dem Schmerz entsteht. „Mit einem schönen Hörspiel, gemeinsamem Basteln oder Aktivitäten im Freien lässt sich unser Schmerzgedächtnis wieder so trainieren, dass es nicht so schnell anspringt.“
Auch sei es ratsam, wenn Eltern die Bauchschmerzen nicht ständig thematisieren. Helfen diese Maßnahmen nicht, sollten Eltern mit ihren Kindern – am besten mit therapeutischer Hilfe – Entspannungstechniken erlernen. In jedem Fall brauche es Geduld – damit sich Bauch und Kopf nicht ständig schmerzauslösende Nachrichten hin- und herschicken.
Experte für diesen Artikel:

DR. FLORIAN SCHMID
Oberarzt Pädiatrie am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift



