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WENN SENIOREN IMMER DÜNNER WERDEN…

WENN SENIOREN IMMER DÜNNER WERDEN...


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... wird das häufig für normal gehalten. Doch Mangelernährung im Alter ist ein ernstzunehmendes Problem. Genaues Hinsehen ist gefragt – aus verschiedenen Perspektiven.

Gerade bei Patienten im hohen Lebensalter stellen wir oft eine Mangelernährung fest. Die Ursachen sind so vielfältig wie die Auswirkungen“, so Dr. Georg Schiffner, Chefarzt der Geriatrie im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand. „Der Ernährungszustand eines Patienten ist von großer Bedeutung – für Lebensqualität, Krankheitsverlauf und Lebenswartung.“ In Groß-Sand erfolgt daher bei jedem geriatrischen Patienten ein Screening auf Ernährungsrisiken. Bei Auffälligkeiten werden Ernährungsberater:innen und andere Berufsgruppen der hausinternen Ernährungskommission konsultiert. 

Gleichzeitig gilt es, organische Erkrankungen als Ursache abzuklären. Insbesondere bei Bauchschmerzen, Übelkeit oder Stuhlveränderungen beginnt die gastroenterologische Diagnostik. Die Liste der Erkrankungen, die mit Mangelernährung einhergehen können, ist lang. „Wir suchen vor allem nach Magengeschwüren, Gallensteinen, Verengungen im Magen-Darm-Trakt oder auch Zwerchfellbrüchen“, erklärt Dr. Ulrich Mai, Chefarzt der Inneren Medizin in Groß-Sand. „Selten ist Mangelernährung ausschließlich somatisch bedingt.“ 

Vor allem bei Älteren kommen in der Regel psychosoziale Faktoren hinzu. Neben Einsamkeit, akuten Trauersituationen und Appetitlosigkeit leiden viele Betroffene auch an Vergesslichkeit und Demenz. „Im Krankenhaus stoßen wir auch vielfach auf Probleme mit Zahnprothesen oder Schluckstörungen, die die Nahrungsaufnahme stören“, so Dr. Schiffner. „Die Gründe sind vielfältig: Wir als multiprofessionelles Team müssen also genau hinschauen und intervenieren.“ 

Neben der Behandlung eventueller ursächlicher Erkrankungen können hochkalorische Speisen helfen. Mit etwas Kreativität können schon kleine, ansprechende Portionen, Fingerfood, Smoothies oder Süßspeisen wieder zum Essen motivieren – Tipps, die auch zu Hause umsetzbar sind. Dr. Schiffner rät: „Seien Sie achtsam und nehmen Sie Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust nicht als normale Alterserscheinung hin. Hinterfragen Sie die Ursachen und kümmern Sie sich lieber früher als zu spät um professionelle Hilfe.“ Dr. Mai bestätigt: „Der bewusste Umgang mit Ernährung kann den Teufelskreis aus Mangelernährung und Krankheit verhindern oder frühzeitig durchbrechen.“

Tipps für Betroffene und Angehörige:

Einfache Tipps für zu Hause können helfen, ungewollten Gewichtsverlust zu vermeiden:

  • Nehmen Sie sich Zeit für das Essen & schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre 
  • Essen, was schmeckt: Gönnen Sie sich bzw. Ihren Angehörigen regelmäßig Lieblingsgerichte 
  • Intensive Gerüche wirken appetitanregend (bspw. Kaffeeduft, geröstetes Brot) 
  • Bei beeinträchtigtem Geruchs- bzw. Geschmacksempfinden können kräftiger gewürzte Speisen und reichlich frische Kräuter helfen 
  • Probieren Sie es mit kleineren und dafür häufigeren Mahlzeiten 
  • Griffbereite Snacks für zwischendurch (Fingerfood, Häppchen, Smoothies) erinnern ans Essen und regen den Appetit an 
  • Setzen Sie auf energie- und nährstoffreiche Nahrungsmittel und Getränke (Säfte, Malzbier, Käse mit hoher Fettstufe, Milchsuppe etc.)
  • Reichen Sie Ihr Essen bei Bedarf mit Sahne oder Butter an, um eine Gewichtszunahme zu fördern 
  • Bevorzugen Sie pflanzliche Öle und Fette anstelle von tierischen Produkten 
  • Verwenden Sie leicht kaubare und leicht verdauliche Nahrungsmittel 
  • Trinken nicht vergessen! Getränke immer sichtbar und griffbereit platzieren und zu jeder Mahlzeit ein Getränk einnehmen 
  • Informieren Sie sich ggf. über spezielle hochkalorische Trink- bzw. Zusatznahrung 
  • Führen Sie ein Ess- und Trinkprotokoll

Diese Kliniken verfügen über eine Geriatrie:


Beitragsbild: © IMG Stock Studio/shutterstock


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