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Orthopädie
Bandscheibenvorfall – OP, ja oder nein?
Von Nzinga Tonkam
Wer morgens nicht einmal mehr die Socken anziehen kann, weil der Rücken blockiert oder bei jedem Schritt ein stechender Schmerz ins Bein fährt, ahnt schnell: Das ist die Bandscheibe. Doch was heißt das eigentlich? Im Wirbelsäulenzentrum des Tabea Krankenhauses beantworten Orthopäde Dr. Martin Stangenberg und Neurochirurg Dr. Christian Möller-Karnick diese Frage täglich.
Was passiert da im Rücken?
Bandscheiben sind die Puffer zwischen den Wirbelkörpern. Sie bestehen aus einer Hülle aus Knorpelfasern und haben einen gelartigen Kern. Bei einem Vorfall wird dieses Gewebe zwischen den Wirbelkörpern immer mehr nach außen gedrückt. Die Bandscheibe wird vorgewölbt und drückt auf einen Nerv. Dadurch entstehen Beschwerden.
Abwarten oder operieren?
Wer das schon einmal erlebt hat, stellt sich automatisch diese Frage. „Meistens lässt sich ein Vorfall ohne OP behandeln“, so Stangenberg. „Mit Bewegung, Physiotherapie und Schmerzlinderung erzielen wir sehr gute Erfolge. Nur wenn die Beschwerden über Wochen bestehen oder neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Blasenstörungen auftreten, ist ein Eingriff manchmal unausweichlich.”
Das kommt aber eher selten vor
Nur etwa ein Drittel der Patientinnen und Patienten erhält direkt eine OP-Empfehlung. Viele werden stattdessen mit einem Therapieplan ausgestattet. Doch für diejenigen, die unter Dauerbeschwerden leiden, ist ein Eingriff an der Wirbelsäule oft der Wendepunkt: „Der Schmerz ist häufig direkt nach der OP verschwunden“, sagt Möller-Karnick.
Kleine Schnitte – große Wirkung
Trotz dieser Argumente fällt es manchen Menschen schwer, sich für eine OP zu entscheiden. Viele Ängste kann das Ärzteduo nehmen: „Die weitverbreitete Sorge vor einer Querschnittlähmung bei typischen Vorfällen der Lendenwirbelsäule ist unbegründet”, sagt der Neurochirurg. „Das Risiko ist verschwindend gering“, bestätigt der Orthopäde.
Wenn operiert wird, dann immer häufiger endoskopisch: Über ein feines Endoskop mit Kamera und Lichtquelle werden die betroffenen Strukturen sichtbar gemacht und mit spezialisierten Instrumenten behandelt. Der Zugang erfolgt über einen kleinen Hautschnitt von sieben bis zehn Millimetern.
Die beiden Ärzte operieren nach dem Prinzip: „So wenig wie möglich verletzen, so viel wie möglich helfen.“ Das heißt für die Menschen: kleinere Schnitte, weniger Schmerzen, schnellere Erholung. Die meisten können sogar bereits am nächsten Tag aufstehen.





