Foto: Intuitive Surgical Operations
Titelthema Frauengesundheit
Präzision auf Knopfdruck
Zwischenblutungen, Rückenschmerzen oder Harninkontinenz können auf Erkrankungen wie Endometriose, eine Beckenbodensenkung oder Gebärmutterkrebs hinweisen. Ist eine Operation notwendig, ermöglicht die roboterassistierte Chirurgie besonders präzise und schonende Eingriffe.
Von Nzinga Tonkam
„Es fühlt sich an, als hätte ich einen Tennisball zwischen den Beinen.“ Mit solchen Beschwerden kommen viele Frauen zu Dr. Kirsten Graubner, Chefärztin der Frauenklinik am Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg. „Dieses Druck- oder Fremdkörpergefühl im Intimbereich ist ein typisches Anzeichen für eine Absenkung des Beckenbodens“, erklärt die Ärztin. Starke Unterbauchschmerzen sowie Beschwerden beim Wasserlassen, Stuhlgang oder Geschlechtsverkehr hingegen können auf eine tief verwachsene Endometriose hinweisen.
Bei einer notwendigen Operation setzt die Expertin in beiden Fällen häufig den Da-Vinci-Roboter ein – ebenso wie bei Eingriffen zur Behandlung von Gebärmutterkrebs.
Ein fähiger OP-Assistent
Der Roboter operiert nie selbstständig. Jede Bewegung wird von speziell geschulten Chirurginnen und Chirurgen an einer Konsole gesteuert. Dank seiner besonders beweglichen Instrumente lassen sich auch schwer zugängliche Bereiche gezielt operieren. So gelingen feine Arbeitsschritte leichter und das Risiko für Verletzungen empfindlicher Strukturen sinkt.
Kleine Schnitte, große Wirkung
Ein häufig eingesetztes roboterassistiertes Verfahren ist die sogenannte Sakropexie, bei der abgesunkene Beckenorgane wieder angehoben und stabilisiert werden. Der Eingriff erfolgt über wenige kleine Hautschnitte. „Gerade in diesem empfindlichen Bereich kommt es auf jeden Millimeter an. Die hohe Beweglichkeit des Roboters hilft uns, gesundes Gewebe und empfindliche Nerven bestmöglich zu schonen“, sagt Dr. Graubner.
Für Patientinnen bedeutet das häufig weniger Schmerzen nach der Operation, eine schnellere Erholung und einen kürzeren Krankenhausaufenthalt. Je nach Eingriff verkürzen sich zudem Operations- und Narkosezeit – ein Vorteil insbesondere für ältere oder vorerkrankte Patientinnen.
Grün zeigt den richtigen Weg
Bei bestimmten Krebserkrankungen kommt zusätzlich ein grüner Farbstoff zum Einsatz. Er wird vor der Operation in den Gebärmutterhals gespritzt und sammelt sich innerhalb weniger Minuten in den sogenannten Wächterlymphknoten. Das sind die Lymphknoten, in die sich Tumorzellen als erstes ausbreiten könnten. Mithilfe des Farbstoffs können sie gezielt entfernt werden, während gesundes Gewebe bestmöglich erhalten bleibt.
Technik im Dienst der Patientinnen
Ob mit oder ohne OP-Roboter: Welche Operationsmethode die beste ist, entscheiden die behandelnden Expertinnen und Experten gemeinsam mit der Patientin. Immer mit dem Ziel, die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen.
Expertin für diesen Artikel:
DR. KIRSTEN GRAUBNER
Chefärztin der Frauenklinik am Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg.



