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Titelthema Kopf

Blitzlichtgewitter im Kopf 

Plötzliche Zuckungen, ein kurzer Blackout oder ein seltsames Déjà-vu: Epilepsie kann sich bei Erwachsenen sehr unter schiedlich äußern. Dr. Berthold Voges, Chefarzt der Klinik für Neurologie/Epilepsie-Zentrum am Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf, weiß, wie wichtig es ist, die Beschwerden richtig einzuordnen und zu behandeln.

Von Nzinga Tonkam

„Den EINEN epileptischen Anfall gibt es nicht“, sagt Dr. Voges. Neben krampfartigen Anfällen treten häufig deutlich subtilere Symptome auf – zum Beispiel Verhaltensautomatismen wie Lippenlecken oder Nesteln an der Kleidung. Oft bleiben solche kurzen Aussetzer sogar unbemerkt. „Wenn man auf dem Sofa sitzt und ein Buch liest, merkt man oft gar nicht, dass man drei Minuten abwesend war“, erklärt Voges. „Man setzt einfach wieder da ein, wo man aufgehört hat.“

Epilepsie erkennen

Um eine mögliche Erkrankung abzuklären, werden Menschen mit Verdacht auf Epilepsie stationär aufgenommen. Dort werden sie teilweise mehrere Tage beobachtet. Mithilfe eines EEGs wird die Hirnaktivität mit ihrem Verhalten abgeglichen. So lässt sich häufig erkennen, ob die Symptome epileptischen Ursprungs sind.

Anfälle behandeln

Die Behandlung beginnt meist mit Medikamenten, die Anfälle unterdrücken. Etwa 70 Prozent der Betroffenen werden damit anfallsfrei. Wichtig ist dabei die individuelle Auswahl, da sich die Medikamente in ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Dazu zählen unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit oder auch Nierensteine. „Deshalb werden Alltag, Beruf und persönliche Bedürfnisse der Betroffenen bei der Auswahl mitberücksichtigt“ erklärt Dr. Voges. Reichen Medikamente nicht aus, kommen weitere Verfahren wie eine Operation infrage.

Sicher leben mit Epilepsie

Ausreichend Schlaf spielt bei Epilepsie eine wichtige Rolle, da Schlafmangel die Anfallsneigung erhöhen kann. Bewegung dagegen wirkt unterstützend. Allerdings sollten riskante Aktivitäten wie Tauchen vermieden werden. Viele Patientinnen und Patienten leiden zusätzlich unter Ängsten, weshalb eine psychotherapeutische Behandlung helfen kann. Wichtig ist, die Therapie konsequent fortzuführen.
„Auch wenn Medikamente nicht sofort anschlagen, sollte man nicht aufgeben. Etwa 30 Prozent der Betroffenen benötigen mehrere Behandlungsansätze. Man darf die Flinte einfach nicht ins Korn werfen!“, betont der Neurologe. Denn die medizinischen Möglichkeiten entwickeln sich stetig weiter.

Was ist Epilepsie?

DEFINITION:

Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns. Dabei senden Nervenzellen plötzlich gleichzeitig starke elektrische Signale aus. Diese Überaktivität stört kurzzeitig normale Gehirnfunktionen wie Bewegung,Wahrnehmung oder Bewusstsein.

URSACHEN:

In vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen Mögliche Auslöser sind Hirnschädigungen durch Entzündungen, Verletzungen oder Tumore sowie genetische Faktoren oder Fehlentwicklungen des Gehirns.

HÄUFIGKEIT:

Rund ein Prozent der Menschen lebt mit Epilepsie – etwa fünf Prozent erleben im Laufe ihres Lebens mindestens einen epileptischen Anfall (ohne zwingend an Epilepsie zu erkranken).

Experte für diesen Artikel:


DR. BERTHOLD VOGES
Chefarzt der Klinik für Neurologie/Epilepsie-Zentrum am Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf


Fotos: Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf

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