Foto: A-torn Jakkawanmonthon/Shutterstock

Herz

Feinarbeit am Herzen

Zwei Herzchirurgen erklären, warum moderne Bypass-Operationen heute oft besonders schonend durchgeführt werden können und weshalb Arterien immer die beste Wahl für einen Bypass sind.

Von Wiebe Bökemeier

„Bei einer Bypass-Operation wird ein neues Gefäß so eingesetzt, dass das Blut eine Engstelle in den Herzkranzarterien umgehen kann“, fasst Dr. Ralf Bader, Leitender Oberarzt am Albertinen Krankenhaus, den Bypass in einem Satz zusammen. „Das Ziel ist es, den Herzmuskel wieder ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen“, ergänzt sein Kollege Oberarzt Daniel Silva. Die beiden Herzchirurgen am Herz- und Gefäßzentrum legen Bypässe – also Umleitungen für verengte Herzkranzgefäße. Dabei arbeiten sie an Strukturen, die manchmal dünner sind als ein Streichholz.

Die halten ein Leben lang

Am Albertinen Krankenhaus nutzen die Herzchirurginnen und -chirurgen bevorzugt die beiden feinen Arterien, die rechts und links hinter dem Brustbein verlaufen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kliniken, die stattdessen Venen aus dem Bein oder Arterien aus dem Arm verwenden. „Doch die sind nicht so langlebig", begründet Bader. „Die Brustwandarterien sind die beste Lösung, wenn es darum geht, das Herz langfristig gut zu versorgen.“ Mittlerweile erhalten dort mehr als 98 Prozent der Patientinnen und Patienten vollständig arterielle Bypässe – ein europaweiter Spitzenwert.

Auch ohne Herz-Lungen-Maschine

Damit eine solche Operation gelingt, braucht es Erfahrung, Konzentration und absolute Präzision. Jede Naht misst nur wenige Millimeter. „Wir haben unterschiedliche Techniken erprobt und Verfahren weiterentwickelt, sodass wir heute eine breit aufgestellte Koronarchirurgie anbieten können“, so Bader. „Besonders schonend ist zudem die sogenannte Off-Pump-Technik“, erklärt Silva. „Dabei operieren wir rund 60 Prozent der Betroffenen am schlagen den Herzen, also ohne Herz-Lungen-Maschine. Das kann den Eingriff für ältere oder vorerkrankte Menschen weniger belastend machen. Wir berühren dabei möglichst nicht die Hauptschlagader, wodurch auch das Risiko für Schlaganfälle sinkt.“

Doch ganz gleich welche Technik: Entscheidend bleibe immer der Mensch, da sind sich beide einig. „Am Ende kommt es auf die Erfahrung und das Urteilsvermögen der Chirurgin oder des Chirurgen an. Im Vordergrund steht für uns immer, Menschen mit einer Bypass-Operation zu helfen.“

Experten für diesen Artikel:

Porträt von Dr. Ralf Bader

DR. RALF BADER Leitender Oberarzt am Albertinen Krankenhaus

Porträt von Dr. Daniel Silva

DR. DANIEL SILVA Oberarzt am Albertinen Krankenhaus

Fotos: Immanuel Albertinen Diakonie

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