Die Darm-Hirn-Achse: Wie Bauch und Kopf miteinander sprechen

Die Darm-Hirn-Achse: Wie Bauch und Kopf miteinander sprechen


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Stress „schlägt uns auf den Magen“, so manche Entscheidung treffen wir „aus dem Bauch heraus“ und „Schmetterlinge im Bauch“ machen glücklich. Unser Bauch bzw. Bauchhirn hat zentralen Einfluss auf unser Wohlbefinden.

Bauchhirn? Ja, genau. Unser Magen-Darm-Trakt ist mit einem eigenen (dem enterischen) Nervensystem mit 200 Millionen Nervenzellen ausgestattet und wird daher auch oft als „zweites Gehirn“ oder eben „Bauchhirn“ bezeichnet. Denn neben der Verdauung hat das Bauchhirn immensen Einfluss auf unsere Emotionen, unsere psychische Gesundheit und unser Immunsystem. 

Kommunikation zwischen Bauch und Kopf 

„Unsere beiden Gehirne sprechen miteinander. Ununterbrochen. Diese Kommunikation nennt man Darm-Hirn-Achse“, erklärt Dorit Roeper, Oecotrophologin und Leiterin des Adipositas-Zentrums im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß- Sand. „Der Austausch läuft auf drei Wegen: über Nerven, über Hormone und über Bakterienprodukte aus dem Darm.“ Über eben diese Darmbakterien, die sogenannte Microbiota, und deren Wirkung auf unseren Organismus hat die gb! mit der Ernährungsexpertin gesprochen

Wir züchten unsere Darmbakterien selbst 

„Insgesamt gibt es um die 1.400 verschiedene Arten von Darmbakterien, von denen aber nur ca. 160 in jedem einzelnen Menschen leben. Die Zusammensetzung ist also individuell und hängt von inneren und äußeren Einflüssen ab“, führt Roeper aus. Den größten Einfluss auf die Darmbesiedelung hat die Ernährung. „Die Darmbakterien ernähren sich von dem, was wir ihnen bieten. Ernähren wir uns gesund, so züchten wir die guten Bakterien; ungesunde Ernährung fördert die krankmachenden. 

Darmbakterien wirken auf die Psyche 

Diese Bakterien wiederum produzieren eine Vielzahl von Substanzen, die über die Darm-Hirn-Achse im Gehirn ankommen und wirken. So werden 95 % des Serotonin-Grundbausteins im Darm produziert. Glück beginnt gewissermaßen im Bauch – wenn die richtigen Bakterien gefüttert werden. In Stresssituationen dagegen werden vermehrt Stresshormone produziert, die wiederum Lust auf Süßes machen. Gestresste Menschen essen deshalb oft ungesünder, wodurch wiederum die falschen Bakterien „angefüttert“ werden – ein Teufelskreis. 

Darm und Immunsystem

Zudem beeinflusst die Microbiota unser Immunsystem. Günstige Bakterien halten die Darmschleimhaut intakt – Krankheitserreger können nicht so leicht ins Körperinnere gelangen. Durch ungünstige Bakterien wird die Schleimhaut durchlässig, Krankmachern wird der Zugang erleichtert. 

Was können wir selbst tun? 

„Achten Sie auf eine pflanzenbasierte Ernährung, aber seien Sie nicht dogmatisch! Dennoch: Auf einen Döner ohne Salat sollte lieber wieder ein mediterranes Gemüsegericht folgen.“

Hier kommen Sie zur Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)!

 


Beitragsbild: © VectorMine / shutterstock

 
 
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