Entzündungen auf die Spur kommen

Entzündungen auf die Spur kommen


Image

Entzündungen im Körper können zu Infektionen an weit vom Entzündungsherd entfernt gelegenen Gelenken und Prothesen führen. Dann kommt die Septische Chirurgie ins Spiel. Das Evangelische Amalie Sieveking Krankenhaus hat dafür jüngst eine Spezialeinheit eröffnet.

Die Tätigkeit von Klaus Kopf gleicht oftmals detektivischer Kleinstarbeit: Neben der medizinischen Expertise erfordert sie einen gewissen Spürsinn sowie den Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Unfallchirurgie“ leitet die neu gegründete Sektion Septische Chirurgie am Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus. „Wir beschäftigen uns unter anderem mit Infektionen von Gelenken und künstlichen Gelenken nach Erst- oder Wechseloperationen sowie mit Knocheninfektionen zum Beispiel nach Brüchen oder Operationen“, umreißt Kopf sein Fachgebiet. 

Entzündungsherd sitzt irgendwo im Körper 

Die Gründe für solche Infektionen sind vielfältig. „Natürlich können in operierenden Kliniken in seltenen Fällen trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen während oder auch nach einer Operation Bakterien in das Gelenk oder die Gelenkumgebung gelangen“, erklärt Kopf. Nicht selten aber wandern Bakterien über die Blutbahnen oder über entzündete Wunden im Bereich des Gelenkes in die Gelenke und künstlichen Gelenke. „Es können eine Mandelentzündung, ein entzündeter Zahn oder eine chronische Harnwegsinfektion sein, die die Infektion in der Prothese oder dem Gelenk auslösen. Dieses kann sich in sogenannten Low- Grade-Infektionen (schwelenden Infektionen), aber auch in akuten Entzündungen äußern. Eindeutige Symptome finden sich vor allem bei den akuten Entzündungen, während die Symptome bei den schwelenden Infektionen nicht immer eindeutig und oft unspezifisch sind. 

Umgebungsdiagnostik ist wichtig 

Bei der Diagnose ist dann das detektivische Gespür gefragt. Am Anfang steht die klinische Untersuchung und die Krankengeschichte des Patienten sowie eine Blutentnahme, um Entzündungswerte zu bestimmen. Ein Röntgenbild ist fast immer sinnvoll, um zum Beispiel eine Lockerung des Kunstgelenkes nachzuweisen oder auch um Veränderungen im Knochen zu finden. In speziellen Fällen können auch weitere bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel CT, MRT und Szintigraphie, notwendig werden. Ist der Infektherd nicht eindeutig, steht zusätzlich eine Umgebungsdiagnostik an. 

Prothesenaustausch nicht immer sinnvoll 

„Wir entscheiden dann sehr individuell zusammen mit den Patient:innen, welche Therapie sinnvoll ist“, erläutert Kopf. Manchmal reiche es aus, das umliegende Weichgewebe sowie die Prothese zu reinigen und wechselbare Teile auszutauschen, manchmal müsse man radikal operieren und großflächig angegriffenes Gewebe entfernen und die Prothese ersetzen. „In jedem Fall ist es wichtig, den Patienten und seine Begleiterkrankungen als Ganzes im Blick zu haben und genau abzuwägen, ob ein Prothesenaustausch tatsächlich sinnvoll und erforderlich ist“, gibt der Chirurg zu bedenken.


Beitragsbild: © PopTika / shutterstock

 
 
Print Friendly, PDF & Email