Chronische Entzündung im Darm – was tun?

Chronische Entzündung im Darm – was tun?


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Heftige Bauchkrämpfe, Durchfall und Erbrechen: Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa bestimmen das Leben zahlreicher Betroffener. Es gibt jedoch vielversprechende neue Methoden bei der Behandlung dieser Darmentzündungen.

Es wurde immer schlimmer bei Holger P. (57): Erst waren es gelegentliche Durchfälle, verbunden mit Unterleibsschmerzen im linken Unterbauch. Zum Teil wässrig, aber ohne Blut. Dann kamen in den folgenden Wochen immer wieder Fieberschübe hinzu – und Gelenkschmerzen. Monate waren vergangen, in denen der Kfz-Mechanikermeister bereits einige Kilos verloren hatte, als internistische Untersuchungen die Diagnose Morbus Crohn ergaben. Er war schon Wochen nicht mehr arbeitsfähig gewesen. 

Unterschiedliche Entzündungsherde 

So wie Herrn P. geht es vielen Menschen, die an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) leiden: Es dauert, bis klar wird, was die Ursache für die massive Beeinträchtigung der Lebensqualität ist. Während bei Morbus Crohn meistens die tieferen Schichten der Darmwand am Ende des Dünndarms erkrankt sind, ist Colitis Ulcerosa eine chronische Entzündung der Dickdarmschleimhaut selbst, die häufig mit Blutungen einhergeht. Bei beiden Krankheiten sind die genauen Ursachen noch nicht vollständig erforscht. Neben möglichen Umwelteinflüssen wie zum Beispiel der Ernährung kann auch die Genetik eine Rolle spielen, da die Erkrankungen in manchen Familien gehäuft vorkommen. 

Klarheit durch umfangreichere Untersuchung 

Prof. Dr. Andreas de Weerth, Chefarzt im Darmzentrum am Agaplesion Diakonieklinikum, erläutert: „Mit einer genaueren Besprechung der Symptome, der Untersuchung des Stuhls, außerdem per Ultraschall und einer Darmspiegelung lässt sich in der Regel gut herausfinden, welche Erkrankung vorliegt und wie die Patient:innen am besten behandelt werden können.“ 

Gezielte Behandlung mit Antikörpern 

Oft ist Cortison das Mittel der ersten Wahl, um den akuten Schub der Erkrankung zu behandeln, eine längerfristige Therapie mit diesen Medikamenten ist aber nicht zu empfehlen. Manchmal ist eine Operation unvermeidlich, wenn beispielsweise Morbus Crohn den Darm durch Narben verengt hat. „Bei schweren Verläufen der Erkrankung setzen wir spezifische Antikörper ein, die Patient:innen per Infusion oder als Spritze bekommen“, erklärt Darmexperte Prof. Dr. de Weerth. So auch bei Holger P.: Das Medikament spritzt er sich regelmäßig selbst in den Bauch. Herr P. berichtet: „Damit geht es mir richtig gut, ich kann sogar wieder arbeiten.“ Prof. Dr. de Weerth unterstreicht: „Ganz wichtig in der Behandlung sind heute auch die psychologische Unterstützung, die Ernährungsberatung und die Arbeit der Selbsthilfegruppen.“ So ließen sich die Symptome insgesamt lindern und das Leben mit der Erkrankung erleichtern.

Beratungsstelle und Selbsthilfegruppen 

Der von Betroffenen getragene Verein CED-Hilfe e.V. und die DCCV e.V. unterstützen an Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa erkrankte Menschen und ihre Angehörigen. www.ced-hilfe.de www.dccv.de


Beitragsbild: © mental mind / shutterstock

 
 
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