Die Hüfte mit Übungen beweglich halten

Kleiner Schnitt, große Wirkung

Foto: Robert Kneschke

Titelthema Fit im Alter

Kleiner Schnitt, große Wirkung

Wieder zum Lieblingslied die Hüfte schwingen oder auf Skiern die Piste hinabsausen – alles ohne Schmerzen. Unvorstellbar? Eine schonende Hüft-OP kann wieder Freude ins Leben bringen.

Von Caroline de Boor

Viele Patientinnen und Patienten nehmen bis zu zwei Jahre Schmerzmittel, bevor sie zu mir kommen“, erzählt Helmut Weiberlenn, Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie an der Facharztklinik Hamburg und in seiner Praxis gelenkwerk am Israelitischen Krankenhaus. Die meist 50- bis 60-Jährigen haben häufig mit starken Schmerzen und zunehmenden Bewegungseinschränkungen zu kämpfen. Sich im Bett umdrehen? Die Socken anziehen? Einen Spaziergang machen? Alltägliches wird unmöglich. Der Grund: der Verschleiß der Hüfte. Auf die Frage, weshalb viele zögern, bis sie einen Eingriff in Erwägung ziehen, hat der Chirurg eine klare Antwort: „Die Menschen sorgen sich vor einem großen Eingriff.“

Schonend ist der neue Standard

Doch diese Sorge kann der Chirurg entkräften: „Eine schonende Hüft-OP dauert heutzutage häufig nur noch circa 40-50 Minuten.“ Mittlerweile sind kleinere Operationszugänge ab acht Zentimetern ausreichend. Um zu dem Gelenk zu gelangen, werden die Muskeln nicht mehr durchtrennt, sondern kulissenartig auseinandergedrängt. Das alles passiert mit einem viel geringeren Blutverlust und verkürzt die Heilungsdauer. Wenn die Menschen nach der OP aufwachen, keine Schmerzen mehr spüren und wissen, dass diese neue Hüfte 20 bis 25 Jahre halten kann, sind sie begeistert. „Wenn ich das gewusst hätte!“ – den Ausspruch hört Weiberlenn oft.

Erfolg durch Eigenverantwortung

Nach der OP müssen die vor dem Eingriff begonnenen Übungsbehandlungen fortgesetzt werden. Der Chirurg betont, dass es nicht wie beim Reifenwechsel in der Autowerkstatt sei, wo man einfach neue Reifen aufziehe und sofort losfahre. Es sei entscheidend, nach dem Eingriff die Muskeln und Bewegungsabläufe zu trainieren, um eine optimale Beweglichkeit und Belastbarkeit zu erreichen. Fast alle Operierten können bereits am ersten Tag nach der OP aufstehen und gehen. Hinter dem Erfolg eines Eingriffs steht ein Team, das die Menschen von Anfang bis Ende betreut. Nach Arztgespräch, Bestandsaufnahme und Aufklärung über die Therapieoptionen tauschen sich die Mediziner:innen regelmäßig mit dem Pflege- und Physiotherapiepersonal aus, um einen individuellen Behandlungsplan auszuarbeiten. Der Arzt erklärt, dass die intensive Kommunikation zwar aufwendig, jedoch zum Erreichen eines optimalen Ergebnisses notwendig sei. „Unsere Patientinnen und Patienten werden nicht allein gelassen“, das ist Weiberlenn wichtig. Die schonende Implantation einer Hüftendoprothese kann für viele eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität ermöglichen.

Experte für diesen Artikel:

Helmut Weiberlenn, Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie an der Facharztklinik Hamburg

HELMUT WEIBERLENN
Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie an der Facharztklinik Hamburg

 


Fotos: Facharztklinik Hamburg
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