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Gemeinsam essen, gemeinsam genießen: Gerade im Alter hilft Gesellschaft gegen Mangelernährung.
Ernährung

Mangelernährung? Ich doch nicht!

Tatsächlich kann sie jeden treffen – gerade im Alter. Viele ältere Menschen essen zu wenig oder falsch und werden nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Was bedeutet das und was hilft dagegen?

Von Yannick Schornstein

„Beim Thema Mangelernährung sprechen wir von großen Zahlen“, sagt Dr. Saskia Otte, Chefärztin der Klinik für Geriatrie und physikalische Medizin im Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus. „In Kliniken und Pflegeheimen liegt die Zahl der Mangelernährten europaweit bei rund 30 Prozent. In geriatrischen Abteilungen, wo Menschen akut krank sind und einen höheren Energiebedarf haben, sind es sogar bis zu 60.“ Das geringste Risiko hat, wer noch zu Hause mit Partner:in oder Familie lebt – aber auch da sind immerhin zwei bis drei Prozent betroffen.

Woran liegt das?

Kaputte Zähne oder schlechtsitzende Prothesen machen jeden Bissen zur Qual. Dazu kommt die Einsamkeit, die auf den Magen schlägt. Allein fehlt oft der Antrieb, sich gut zu ernähren. Auch die vielen Medikamente spielen eine Rolle: Zahlreiche Menschen nehmen täglich mehrere Präparate ein, von denen einige unbemerkt den Appetit bremsen. Dass die Ernährung oft zu einseitig ist, zeigt ein Blick in den Kühlschrank. Darin befinden sich häufig Toast, Streichwurst, nur wenig Obst und manchmal Alkohol. Diese Auswahl liefert zwar Kalorien, aber kaum Nährstoffe. Ist auch noch die Sehkraft eingeschränkt, bleiben verdorbene Lebensmittel manchmal unbemerkt. Die sind für Ältere besonders gefährlich, weil ihr Immunsystem oft geschwächt ist.

Weniger Kraft

Ob zu wenig oder zu nährstoffarm gegessen wird: Die Folgen sind dieselben. Mit schwindender Muskelmasse lässt die Kraft nach, das Risiko für Osteoporose steigt, die Knochen werden brüchig. Zudem nimmt die Anfälligkeit für Infekte und OP-Komplikationen zu, weil dem Körper Baustoffe für die Regeneration fehlen.
Ein Alarmsignal ist die Gewichtsabnahme: „Wenn die Kleidung plötzlich zu weit wird, sollte man wachsam werden. Gerade ab einem Alter von 80 Jahren ist Gewichtsverlust gesundheitlich bedenklich“, betont die Chefärztin.

Gegensteuern ist möglich

Schon einfache Maßnahmen können viel bewirken: Zum Anreichern Butter und Sahne ins Essen, püriertes Obst statt ganzer Früchte und eiweißreiche Zwischenmahlzeiten wie Joghurt oder ein Stück Käse. Zudem sollte regelmäßig das Gewicht kontrolliert werden.
„Wichtig ist auch ein Medikationscheck beim Hausarzt. Der prüft beispielsweise, ob einzelne Medikamente den Appetit hemmen, und kann bei Bedarf Vitaminpräparate oder hochkalorische Eiweißdrinks und Puddings verschreiben.“ Ein besonders wirksames Gegenmittel ist Gemeinschaft. „Studien zeigen, dass ältere Menschen in der Gruppe bis zu 50 Prozent mehr Nahrung zu sich nehmen“, schließt Dr. Otte. Manchmal ist die größte Hilfe einfach ein Gegenüber am Tisch.

Expertin für diesen Artikel:

Porträt einer Frau in weißem Poloshirt vor unscharfem hellem Hintergrund.
DR. SASKIA OTTE

Chefärztin der Klinik für Geriatrie und physikalische Medizin im Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus


Fotos: Immanuel Albertinen Diakonie

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