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Speiseröhre
Irgendwann geht nur noch Suppe
Von Inga Kleine
„Länger als zwei Wochen sollte man nicht warten, ehe man Schluckbeschwerden ärztlich abklären lässt”, rät Dr. Ulrich Rosien, Leiter der Endoskopie und Leiter Viszeralonkologisches Zentrum (Gastroenterologie) am Israelitischen Krankenhaus Hamburg, „sie sind das wichtigste Frühzeichen für Krebs in der Speiseröhre.”
Zwar können auch harmlosere Ursachen wie ein Pilzbefall Auslöser sein. Trotzdem gilt: Je früher ein Tumor erkannt wird, desto größer ist die Chance, dass er durch eine Spiegelung – also endoskopisch ohne große Operation – entfernt werden kann.
„Das gelingt aber nur bei jedem zehnten bis zwanzigstem Fall. Meist ist die Erkrankung bei der Diagnose schon so weit fortgeschritten, dass operiert werden muss. Eine ergänzende Behandlung mit Bestrahlung oder Chemotherapie steigert die Heilungsaussichten“, führt Rosien aus.
Zwei Krebsarten – eine OP
Grundsätzlich unterscheidet man zwei bösartige Tumorarten der Speiseröhre: das Plattenepithelkarzinom, das häufiger im oberen Abschnitt entsteht und eng mit Rauchen und Alkohol verbunden ist, sowie das Adenokarzinom, das meist im unteren Bereich auftritt – oft infolge einer langjährigen Refluxerkrankung, also dem Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre.
„Wo genau der Tumor sitzt, hat Konsequenzen für den Eingriff”, erklärt Dr. Ole Bäumer, Funktionsoberarzt der Chirurgischen Klinik. „Beim Plattenepithelkarzinom, das näher an Mund und Rachen liegt, müssen wir in der Regel einen größeren Teil der Speiseröhre entfernen.“ Die Speiseröhre lässt sich nicht einfach kürzen und wieder zusammennähen wie ein Darm. Stattdessen wird sie ersetzt: „Aus einem Stück des Magens formen wir einen Schlauch und verbinden diesen mit dem verbliebenen gesunden Teil.”
Präzision durch Robotik
Unterstützt wird der Eingriff heute von der Roboterchirurgie. Früher mussten vier Hände in den Brustkorb passen, heute reichen vier, jeweils 8 mm durchmessende Instrumente – das bedeutet weniger Schmerzen und eine kürzere Erholung. Dabei macht der Roboter aber nichts von allein. „An einer Konsole steuern wir eine Kamera und bis zu drei bewegliche Roboterarme, die unsere Handbewegungen präzise im Körper umsetzen. Die Sicht erfolgt in 10facher Auflösung und in 3D, so lässt sich auch auf engstem Raum sicher und schonend operieren", so Bäumer.
Foto: Christina Clasen

Nicht nur die OP zählt
Die Behandlung beginnt schon vor dem Eingriff: Mit gezielter Vorbereitung – etwa durch gute Ernährung, Atemübungen und Physiotherapie – lässt sich der Körper optimal auf die OP einstellen. „Und auch danach ist nicht Schluss: Nachsorge, Kontrolltermine und der direkte Draht zum Behandlungsteam bleiben wichtig“, betonen die beiden Ärzte.
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