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Putztrupp für verkalkte Blutgefäße

Putztrupp für verkalkte Blutgefäße


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Verengte Arterien durch Ablagerungen (Arteriosklerose), das Risiko eines Gefäßverschlusses – und jetzt? Eine Katheter-Atherektomie macht Adern schonend wieder frei, erklärt Prof. Dr. Habermann, Chefarzt der Radiologie am Kath. Marienkrankenhaus, im Interview.

Wie funktioniert eine Katheter-Atherektomie?

Dabei handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, das die Ablagerungen, die bei einer Arteriosklerose entstehen, von innen abträgt. Im Volksmund wird von verkalkten Arterien gesprochen, viel richtiger ist aber, dass sich Cholesterin und andere Blutfette als sogenannte Plaques in der Gefäßwand ablagern. Um diese Ablagerungen zu entfernen, führen wir durch eine kleine Punktion (2,3 mm) einen Katheter in die Leistenschlagader ein, an dessen Ende sich ein Bohrkopf befindet. Dieser zerhäckselt die Plaques und die Bruchstücke werden gleichzeitig abgesaugt. Damit ganz sicher keine Reste im Blut zurückbleiben und an anderer Stelle für Blockaden sorgen, wird hinter dem Bohrkopf noch ein Filter platziert – quasi wie ein kleiner Kescher. Das Blut kann dort ungehindert hindurchfließen, die Plaquereste bleiben aber hängen. Um einer erneuten Verengung vorzubeugen, wird danach eine Ballondilatation durchgeführt. Dabei wird ein Ballonkatheter an die entsprechende Stelle geführt, der dann mit Flüssigkeit aufgefüllt wird und so die Arterie aufdehnt. 

Alternativ besteht die Möglichkeit, direkt eine Ballondilatation durchzuführen oder einen Stent einzusetzen. Welche Vorteile bietet die Katheter-Atherektomie gegenüber den anderen Behandlungsverfahren? 

Bei den drei genannten Behandlungen handelt es sich im Großen und Ganzen um verschiedene Eskalationsstufen der Therapie mit einer vierten Option, dem Bypass, als Ultima Ratio. Die Katheter-Atherektomie steht dabei ganz am Anfang, da sie durch das gefäßschonende Abtragen der Ablagerungen das Ursprungsvolumen des Gefäßes wiederherstellt. Stents und Ballons quetschen die bestehenden Plaques nur an die Seite. Dabei besteht dann das Risiko, dass sich durch einen Gegendruck das Gefäß wieder verengen oder sich weitere Ablagerungen an der behandelten Stelle bilden und das Gefäß verschließen. Bei beiden Behandlungen kann nochmals minimalinvasiv nachbehandelt werden. Kommt es dann wieder zu Problemen, gibt es meist nur noch die Möglichkeit eines Bypasses. Die Katheter-Atherektomie kann hingegen mehrfach auch an derselben Stelle durchgeführt werden, sodass wir die Behandlung langsamer eskalieren können. 

Für welche Patient:innen eignet sich eine Katheter-Atherektomie?

Das kommt immer auf den – umgangssprachlich ausgedrückt – Verkalkungsgrad der Arterien an. Bei einem akuten Gefäßverschluss ergibt diese Behandlung keinen Sinn. Stellen wir aber fest, dass Plaques erst anfangen, sich zu bilden oder die Schlagader bereits verengt haben, ermöglicht die Katheter- Atherektomie langfristige Erfolge bei der Behandlung der Symptome einer Arteriosklerose. 

Sie sprachen es gerade bereits an: Mit einer Katheter-Atherektomie werden die Symptome einer Arteriosklerose behandelt, nicht aber die Ursachen. Was können Patient:innen tun, damit die Erfolge der Behandlung langfristig erhalten bleiben? 

Auf ihre:n Arzt/Ärztin hören (lacht). Das Wichtigste ist, die Risikofaktoren zu minimieren beziehungsweise in den Griff zu bekommen. Das bedeutet, Betroffene sollten am besten nicht rauchen. Außerdem müssen Blutdruck und die Blutfettwerte, also das berühmte Cholesterin, ordentlich eingestellt werden. Bei einigen Patient:innen funktioniert das durch mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung. Allerdings müssen wir uns beim Blutfettwert bewusst sein, dass die genetische Veranlagung einen deutlichen Einfluss hat und es einigen Menschen nicht möglich ist, diesen über die Ernährung ausschlaggebend positiv zu beeinflussen. Darüber müssen wir als Ärzt:innen aufklären und dann die entsprechenden Cholesterinsenker verschreiben.

4 MILLIONEN MENSCHEN in Deutschland leiden an der Krankheit, doch nur bei jedem Dritten ist die Erkrankung diagnostiziert. 

Bei über 90 Prozent der Patient:innen mit chronischen Durchblutungsstörungen findet man eine Arteriosklerose als Ursache für die verengten oder verschlossenen Gefäße. Die Arteriosklerose stellt einen Sammelbegriff für Störungen dar, die mit einer Verhärtung und Verdickung der Arterienwand einhergehen. Vor allem in der inneren Schicht der Arterienwand kommt es im Laufe der Zeit zu fettreichen Einlagerungen (sogenannte Plaques), die zu Beginn noch weich und flach sind und den Blutstrom nicht behindern. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann die Oberfläche einer solchen arteriosklerotischen Gefäßwandveränderung aufplatzen, es lagern sich Blutplättchen an, durch Umbauprozesse entstehen bindegewebsartige Einengungen. 

Weitere Informationen unter www.deutsche-gefaessliga.de


Beitragsbild: © Design_Cells/shutterstock

 
 
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