Foto: Twinkle Picture/Shutterstock

Titelthema Bauch

Späte Diagnose – große Gefahr

Jährlich erhalten rund 20.000 Menschen in Deutschland die Schockdiagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese besonders heimtückische Krebsart wird häufig erst spät entdeckt. Prof. Dr. Guntram Lock, Chefarzt der Inneren Medizin, und Dr. Thies Daniels, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie am Albertinen Krankenhaus Hamburg, erklären, warum die Früherkennung so schwierig ist – und wo es dennoch Fortschritte gibt.

Von Rüdiger Stettinski

Das Problem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist vor allem die fehlende Früherkennung“, sagt Prof. Dr. Lock. „Es gibt kein Screening wie beim Darmkrebs. Viele kommen erst, wenn Symptome wie ungewollter Gewichtsverlust oder Gelbsucht auftreten – also oft sehr spät. Für die Diagnose kommen vor allem Ultraschall sowie endoskopischer Ultraschall und CT oder MRT zum Einsatz.

Operation – die einzige Chance auf Heilung

„Unser Ziel ist es, den Tumor vollständig zu entfernen“, erklärt Daniels. „Operationen sind die einzige Möglichkeit auf Heilung.“ Am häufigsten wird dabei die Whipple-Operation durchgeführt, bei der Teile der Bauchspeicheldrüse, des Dünndarms und die Gallenblase entfernt werden. Denn bei dieser aggressiven Tumorart kommt es auf Radikalität und Sicherheit an – letztlich geht es ums Überleben.“

Chemotherapie – die wichtigste Ergänzung

Wenn eine Operation nicht mehr möglich ist, kann eine Chemotherapie helfen, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. „Wir haben heute eine ganze Bandbreite an Wirkstoffen, die individuell auf die Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten abgestimmt werden können“, sagt Lock. „Manche Behandlungen zielen darauf, das Wachstum zu stoppen, andere vor allem darauf, Beschwerden zu lindern und Lebensqualität zu sichern.“

Behandlung ist Teamarbeit

„Bei Diagnostik und Therapie arbeiten wir interdisziplinär. Im wöchentlichen Tumorboard beraten Radiologen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Gastroenterologen und Chirurgen gemeinsam den besten Behandlungsweg“, erklärt Lock. Daniels ergänzt: „Diese enge Zusammenarbeit ist entscheidend – gerade vor und nach großen Operationen.“

Nachsorge und Bewusstsein

Nach der Akutbehandlung werden die Patientinnen und Patienten engmaschig weiter betreut – so zum Beispiel auch bei Ernährungs- und Stoffwechselproblemen. Psychoonkologische Angebote sind ebenfalls ein wichtiger Teil der Versorgung.
Trotz aller Fortschritte bleibt Bauchspeicheldrüsenkrebs eine der größten Herausforderungen der Krebsmedizin. „Die Zahl der Erkrankungen steigt, vor allem durch Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes und Übergewicht“, sagt Lock. „Eine gesunde Lebensweise und Aufmerksamkeit für frühe Symptome können entscheidend sein, um die Chancen auf Heilung künftig zu verbessern.“

Experten für diesen Artikel:

Porträt eines lächelnden Mannes (Prof. Dr. Guntram Lock) mittleren Alters mit Brille und kurzem Haar in weißem ärztlichem Kittel vor einem neutralen, unscharfen Hintergrund – vermutlich in einer medizinischen Einrichtung aufgenommen.

PROF. DR. GUNTRAM LOCK
Chefarzt der Inneren Medizin am Albertinen Krankenhaus

Porträt eines älteren Mannes (Dr. Thies Daniels) in weißem ärztlichem Kittel, freundlich lächelnd, vor einem unscharfen, hellen Hintergrund.

DR. THIES DANIELS
Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie am Albertinen Krankenhaus

Fotos: Immanuel Albertinen Diakonie

Diesen Beitrag teilen