Wenn Kopfbälle zum Eigentor werden

Wenn Kopfbälle zum Eigentor werden


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Laut einer Studie von 2021 erkrankt jeder 20. schottische Fußballprofi im Verlauf seines Lebens an einer degenerativen Hirnerkrankung. Parkinson und Demenz, aber auch Depressionen kommen deutlich häufiger vor. Woran liegt das?

Fußball ist die mit Abstand beliebteste Sportart in Deutschland. Über 6 Millionen Menschen sind Mitglied in einem der über 27.000 Fußballvereine. Während Bein- und besonders Knieverletzungen beim Fußball schon fast zum guten Ton gehören, geraten Verletzungen des Kopfes gerne mal in Vergessenheit. „Es gibt Verletzungen, über die man nicht gerne spricht“, sagt Dr. Andreas Gonschorek, Chefarzt und Leiter des ersten deutschen Concussion Center im BG Klinikum Hamburg. „Kopfverletzungen zählen leider dazu, obwohl sie den fünften Platz unter den häufigsten Sportverletzungen im Fußball belegen.“ 

Das erschütterte Gehirn 

Im Concussion (= Gehirnerschütterung) Center werden Spitzensportler behandelt, die durch Kopfverletzungen unter Merk- und Konzentrationsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen oder Seh- und Gleichgewichtsstörungen leiden. Von der Öffentlichkeit bleibt das weitgehend unbemerkt. „Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was tatsächlich passiert, und dem, was in den Medien kommuniziert wird“, stellt Dr. Gonschorek fest. Ein verdrehtes Knie ist für jeden offensichtlich, eine Hirnverletzung nicht. Manchmal merkt auch der betroffene Spieler erst später, dass etwas nicht stimmt. Das Gehirn ist ein sehr komplexes Organ und die Verletzung ebenfalls. Eine Beinverletzung ist da vielleicht schon verheilt. Aus dem American Football weiß man, dass ehemalige Profis häufiger als der Durchschnitt an Parkinson und Demenz erkranken – Krankheitsbilder, die zu schwerwiegenden Problemen und Beeinträchtigungen im Alltag führen. Genauso kann eine Fußball-Karriere mit unzähligen Kopfbällen erst viel später im Leben zum Eigentor werden. 

Schwierige Früherkennung von Spätfolgen 

„Das Gehirn ist empfindlicher, als man früher gedacht hat; es dauert länger, bis es sich erholt und es kann zu Langzeitfolgen kommen. Es müsste also eine neue Risikobewertung geben“, so Dr. Gonschorek. Und weiter: „Bei den Footballspielern vergehen zehn bis zwanzig Jahre nach Karriereende, bis es zu Auffälligkeiten kommen kann.“ Eine Früherkennung von Langzeitschäden ist entsprechend schwierig. Aber merken darf man sich, dass unser Gehirn offenbar auch physische Traumen nicht vergisst und sich die Folgen mehrerer Gehirnerschütterungen und Kopfstöße aufsummieren können. Merken sollte man sich aber auch: „Sport schützt vor Parkinson und Demenz – nur auf Kopfbälle sollte man dabei verzichten.“

Tipps zur Vorbeugung von Verletzungen 

  • Gründlicher Check beim Sportmediziner, bevor mit Leistungssport begonnen wird 
  • Sport sollte dem Wachstum und den dadurch gegebenen Voraussetzungen angepasst werden 
  • Erlernen der richtigen Techniken 
  • Bei Schmerzen umgehend Pausen einlegen

Weitere Informationen finden Sie hier!


Beitragsbild: © Hurst-Photo / shutterstock

 
 
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