Aus dem Takt gekommen

Aus dem Takt gekommen


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Der gesunde Ruhepuls liegt zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute – in gleichmäßigem Rhythmus. Schlägt das Herz unregelmäßig, spricht man von einer Herzrhythmusstörung. Besonders häufig handelt es sich dabei um Vorhofflimmern.

In Deutschland sind etwa 1,8 Mio. Menschen von Vorhofflimmern betroffen. Die Kardiologin Dr. Edith Lubos, Chefärztin der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin im Zentrum Innere Medizin (ZIM) am Marienkrankenhaus Hamburg, gibt Antworten rund ums Thema. 

Frau Dr. Lubos, was passiert beim Vorhofflimmern und wie gefährlich ist es? 

Bei Erwachsenen liegt der Puls in Ruhe bei etwa 60 bis 80 Schlägen pro Minute und ist alters- und geschlechtsabhängig. Bei Frauen ist der Puls meist etwas schneller als bei Männern. Abhängig von Wetter, Tageszeit, Temperatur, körperlicher Aktivität, Sport, Stress, Ernährung, verschiedenen Erkrankungen und Medikamenten kann er schwanken und niedriger bzw. höher sein. Auch bei Aufregung darf das Herz schneller schlagen. Wenn das Herz allerdings unregelmäßig schneller schlägt, kann ein Vorhofflimmern vorliegen. Dabei bewegen sich die Herzvorhöfe unkontrolliert. Im Gegensatz zum Kammerflimmern ist das Vorhofflimmern selbst nicht lebensbedrohlich. Auf Dauer erhöht es aber das Risiko für Schlaganfälle. 

Können Sie beschreiben, wie Vorhofflimmern wahrgenommen wird? 

Die häufigsten Symptome sind vermutlich Herzrasen oder Herzklopfen, das man in der Brust oder dem Hals spürt. Aber auch Schwächegefühl, schnelle Erschöpfung, Unruhe, Nervosität, Angst, Benommenheit, Schwindel, Kurzatmigkeit oder Brustschmerz sind typisch. Einige Betroffene hingegen merken gar nicht, dass sie Vorhofflimmern haben. 

Was sind die Ursachen für diese Krankheit? 

Vorhofflimmern kann unterschiedliche Ursachen haben. Risikofaktoren sind allerdings Bluthochdruck, hohes Lebensalter, Erkrankungen am Herzen selbst, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Verschiebung der Elektrolyte, vor allem Kalium und Magnesium im Blut, sowie ein übermäßiger Konsum an Genussmitteln und Alkohol.

Wie lässt sich Vorhofflimmern behandeln? 

In Abhängigkeit des Schlaganfallrisikos werden Medikamente zur Blutverdünnung und damit zur Vorbeugung von Schlaganfällen empfohlen. Betablocker und Antiarrhythmika können Vorhofflimmern unterdrücken oder dafür sorgen, dass die Beschwerden seltener, kürzer oder erträglicher werden. Durch die Behandlung der Grunderkrankung oder mit Medikamenten lässt sich nicht immer der normale Herzrhythmus wiederherstellen. Eine Elektrokardioversion kann das Vorhofflimmern beenden. Eine sogenannte Katheterablation, bei der Herzzellen mithilfe von Radiofrequenzwellen oder Kälte gezielt verödet werden, können das Vorhofflimmern deutlich reduzieren oder sogar beenden. 

Frau Dr. Lubos, eine abschließende Frage: Wohin sollte man gehen, wenn man seine Herzgesundheit überprüfen lassen möchte?

Routinemäßiges Pulsmessen, vielleicht auch mittels spezieller Uhren, sogenannter Smartwatches, und regelmäßige Kontrollen beim Arzt tragen am besten zu einer Diagnose bei. Fällt ein unregelmäßiger Herzschlag auf, können ein EKG sowie ein Belastungs- und Langzeit-EKG angeordnet werden, mit dem ein Vorhofflimmern in der Regel erkannt wird.

Hier kommen Sie zur Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)!


Diese Kliniken verfügen über eine Kardiologie:


Beitragsbild: © Lightspring / shutterstock


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