Chaos im Herzen

Chaos im Herzen


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Eine/r von drei heute 55-Jährigen wird im Laufe des Lebens Vorhofflimmern entwickeln. Dabei schlägt das Herz nicht selten doppelt so schnell wie bei Gesunden – es rast. Die Folgen können Leistungsschwäche, Kurzatmigkeit, Schwitzen, innere Unruhe oder Schwindel sein. Was können Betroffene tun?

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Etwa 1,8 Millionen Deutsche leiden an diesem zumeist schnellen und chaotischen Herzschlag. Die Symptome, die Vorhofflimmern verursachen, sind vielfältig. Allerdings nimmt nur die Hälfte der Betroffenen Beschwerden wahr. Neben dem Alter und einer familiären Veranlagung gelten Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Adipositas als Risikofaktoren. „Wer unter Herzrasen oder unregelmäßigem Herzschlag leidet, sollte sich in jedem Fall kardiologisch untersuchen lassen“, rät Dr. Benjamin Schäffer, Leiter der Elektrophysiologie am Albertinen Krankenhaus wie auch am Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus. „Durch Herzultraschall, EKG-Untersuchungen und Blutentnahme lässt sich schon viel herausfinden.“ 

EKG und elektrophysiologische Untersuchung (EPU) 

„Ziel sollte es sein, die Rhythmusstörung durch ein Ruhe- oder Langzeit-EKG aufzuzeichnen, um die Diagnose zu sichern. Hier ist manchmal Geduld gefragt, da nicht selten keine Störung des Herzrhythmus auftritt, wenn die Betroffenen an das EKG angeschlossen sind. Auch können Aufzeichnungen einer Smart Watch oder anderer Geräte mit EKG-Funktion hilfreich sein. In seltenen Fällen führen wir eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU) durch, um eine unklare Herzrhythmusstörung zu untersuchen und die Diagnose zu sichern. Das sind spezielle Herzkathetereingriffe mit dem Ziel, eine Rhythmusstörung zu identifizieren und sie ggf. gleichzeitig zu behandeln“, erklärt Dr. Schäffer. 

Katheterablation 

Bei der EPU werden Herzkatheter, millimeterdünne Kunststoffschläuche mit Elektroden an der Spitze, durch die Leiste bis ins Herz vorgebracht. Hier können die elektrischen Ströme im Herzen direkt gemessen und Zentren, die für die Rhythmusstörung verantwortlich sind, aufgefunden werden. Es werden quasi sehr viele EKGs direkt im Herzen gemacht. Hat man das entsprechende Areal identifiziert, wird das betroffene Gewebe in der Regel dann auch gleich verödet. Diese Verödung nennt man Ablation. Eine solche Behandlung dauert gewöhnlich um die 60 Minuten. Die Katheterablation von Vorhofflimmern aber auch anderer Rhythmusstörungen ist ein Schwerpunkt der Elektrophysiologie. 750 solcher Eingriffe führen Dr. Schäffer und sein Team jährlich durch. „Das Besondere ist, dass für den Eingriff keine Vollnarkose notwendig ist. Die Patient:innen werden in eine schonende Schlafnarkose versetzt, atmen also von alleine. Der Eingriff ist dadurch weniger komplex und nach einer Nacht im Krankenhaus geht‘s in der Regel schon wieder nach Hause. Nach ca. zwei Wochen, wenn die Leiste gut verheilt ist, sind die Patient:innen wieder voll belastbar.“

TIPP: Wer die Vermutung hat, der Herzrhythmus könne gestört sein, und eine Smartwatch mit EKG-Funktion besitzt, kann mit dieser seinen Herzrhythmus aufzeichnen und dem/der untersuchenden Arzt/Ärztin vorlegen. Und wie fast immer gilt auch hier: Um das Herz gesund zu halten, helfen viel Bewegung, gesunde Ernährung und Nichtrauchen.


Beitragsbild: © Den Photos / shutterstock


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