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Bandscheibenvorfall im Nacken: Ruhe ist keine Option

Ein steifer Hals und Schmerzen, die bis in die Fingerspitzen ausstrahlen – das deutet auf einen Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule hin. Klingt beunruhigend, ist aber kein Grund zur Panik.

Von Caroline de Boor

„Am häufigsten sind Bandscheibenvorfälle im Alter von 25 bis 50 Jahren“, sagt Dr. David Ivanits, niedergelassener Orthopäde, spezialisierter Wirbelsäulenchirurg und Operateur an der Facharztklinik Hamburg. Zu 80 Prozent ist das genetisch durch den Aufbau der Bandscheibe bedingt, aber auch Verletzungen können ein Auslöser sein.

Schmerzen, Kribbeln, Schwindel

Typisch sind Kopf- und Nackenschmerzen, die in den Arm ausstrahlen. Mit normalem Muskelkater ist das nicht vergleichbar. Vielmehr sind das Nervenschmerzen, die man beispielsweise vom Zahnarzt kennt. Gleichzeitig kann ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln einsetzen. Auch Schwindel kann auftreten. Hellhörig wird der Arzt, wenn die Symptome nach einer Verletzung oder zusammen mit Fieber oder Lähmungen auftauchen. „Das sind Warnsignale für Komplikationen, die man ärztlich abklären lassen sollte.“

Hilfe für gereizte Nerven

Bei milden Symptomen reicht oft eine konservative Therapie: Abwarten, Schmerzmittel und Bewegung bzw. Physiotherapie. „Eine reine Nackenmassage bringt wenig. Wichtiger ist die Neurodynamik – also Übungen, die die Beweglichkeit und Gleitfähigkeit der Nerven verbessern“, so Ivanits. Bei Bedarf verabreicht er auch eine Spritze gegen die Schmerzen. Bei der periradikulären Therapie (PRT) spritzt er Entzündungshemmer und Schmerzmittel unter Röntgenkontrolle direkt an die Nervenwurzel. Dann schwillt der Nerv schneller ab, was ebenfalls gegen die Schmerzen hilft. Sollten die Beschwerden wiederkommen, wiederholt Ivanits die PRT.

Warum ist Bewegung wichtig?

Ruhe galt lange als Allheilmittel, aber das Gegenteil ist der Fall. Bewegung sorgt dafür, dass die Schmerzen abnehmen. Denn eine gesteigerte Durchblutung und Aktivität der Immunzellen helfen, ausgetretenes Bandscheibengewebe abzubauen. Schon längere Spaziergänge, Schwimmen oder moderater Sport sind sinnvoll. Gleichzeitig stabilisiert man die Muskulatur rund um die Wirbelsäule.

Keine Angst vor der OP

Nur in wenigen Fällen ist eine sofortige OP notwendig, um eine Schädigung des Rückenmarks zu verhindern. „Oben am Hals ist eine dankbare Stelle zum Operieren, weil man nichts verletzen muss. Man kann die Speise- und Luftröhre einfach zur Seite schieben“, erklärt Dr. Ivanits. In etwa 60 Minuten ersetzt er ein verschlissenes Bandscheibensegment durch eine Prothese und der Schmerz im Arm ist danach meist sofort weg.
Oft sollte ein Eingriff nicht die erste Option sein, da es sich lohnt, zunächst alle konservativen Möglichkeiten auszuschöpfen. Denn ob mit oder ohne OP – die Chancen auf eine vollständige Erholung stehen gut.

Experte für diesen Artikel:

Dr. David Ivanits
DR. DAVID IVANITS

Niedergelassener Orthopäde, spezialisierter Wirbelsäulenchirurg und Operateur an der Facharztklinik Hamburg


Fotos: MVZ Die Hamburger Orthopäden

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