Foto: Parilov/Shutterstock

Brustimplantat

Wenn das Implantat Probleme macht

„Irgendwann hat fast jede Frau mit einem Brustimplantat Schwierigkeiten mit dem eingesetzten Silikonkissen“, sagt Prof. Dr. Jörn Lohmeyer, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie am Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg.

Von Inga Kleine

Der Grund dafür liegt beim Implantat selbst: Als Fremdkörper löst es eine natürliche Abwehrreaktion aus und es bildet sich eine schützende Bindegewebsschicht darum. Das ist zunächst ganz normal. „Doch mit der Zeit kann genau diese Reaktion zu Beschwerden führen“, erklärt der Chirurg.

Implantate halten nicht ewig

„Brustimplantate sind nicht dafür ausgelegt, ein Leben lang im Körper zu bleiben. Bei jeder Bewegung – selbst beim Atmen – bewegen sie sich minimal mit. Das zehrt am Material: Es kann undicht werden, sich verformen oder das umliegende Gewebe dauerhaft reizen.“ Solche langfristigen Gewebereizungen können auch mit bestimmten Krebsarten in Verbindung stehen, „das ist aber sehr selten“.

Verhärtet und verformt

Typische Folgen sind die sogenannten Kapselfibrosen oder Kapselkontrakturen. Dabei verhärtet sich die Bindegewebsschicht um das Implantat oder zieht sich zusammen. Die Brust fühlt sich dann fester an, spannt oder verändert ihre Form und kann schmerzen. Diese Veränderungen sind ein häufiger Grund für Folgeoperationen: Etwa jede zweite Frau benötigt innerhalb von 15 Jahren einen weiteren Eingriff – in rund zwei Dritteln der Fälle wegen einer Kapselfibrose oder -kontraktur.

Was kann man tun?

„In vielen Fällen ist eine Operation sinnvoll", erklärt Prof. Lohmeyer. „Dabei wird die verhärtete Kapsel zusammen mit dem Implantat entfernt. Auf Wunsch kann dabei direkt ein neues eingesetzt werden.“ Besonders wichtig ist dem Chirurgen dabei der individuelle Blick auf jede Patientin. „Viele Frauen fühlen sich mit ihren Sorgen nicht ernst genommen. Doch die gute Nachricht lautet: Auch die teilweise mit Brustimplantaten in Verbindung gebrachten allgemeinen körperlichen Beschwerden bessern sich bei den meisten Patientinnen nach einer Implantatentfernung deutlich.“

Spezialisierte Hilfe

Um Betroffene optimal betreuen zu können, hat das Diakonieklinikum Hamburg das Interdisziplinäre Zentrum für Brustimplantat-assoziierte Erkrankungen (IZB) eingerichtet. Hier arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte aus Plastischer Chirurgie, Gynäkologie, Radiologie und Pathologie eng zusammen. Sorgfältige Diagnostik, verständliche Aufklärung und eine individuell angepasste Behandlung greifen dabei Hand in Hand – damit jede Patientin die Unterstützung bekommt, die sie braucht.

Experte für diesen Artikel:

Porträt von Dr. Jörn Lohmeyer, einem Arzt in weißem Kittel, lächelnd mit verschränkten Armen, vor einem modernen, lichtdurchfluteten Hintergrund.
PROF. DR. JÖRN LOHMEYER

Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie am Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg

 

 

 


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Fotos: Achenbach/Agaplesion

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