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Kurze Aussetzer, große Unsicherheit
Von Nzinga Tonkam
„Keine Epilepsie ist wie die andere“, sagt Dr. Püst. Sie zeigt sich auch bei Kindern und Jugendlichen in sehr unterschiedlichen Anfallsformen und Verläufen. Entsprechend schwierig ist die Diagnose. Viele Symptome wirken zunächst unscheinbar und werden deshalb nicht sofort erkannt. Nicht selten werden die Beschwerden zunächst mit Konzentrationsproblemen oder Aufmerksamkeitsdefiziten verwechselt. Doch das Bewusstsein für die Erkrankung ist gewachsen und medizinisches und pädagogisches Fachpersonal erkennt die Symptome heute schneller.
Genau hinschauen
Viele Kinder und Jugendliche wirken zwischen den Anfällen völlig gesund. Umso wichtiger ist es, auffällige Situationen genau zu beobachten und möglichst per Video festzuhalten. In der Klinik werden die Beschwerden mit Untersuchungen via Elektroenzephalogramm (EEG), Kernspintomografie und Bluttests abgeklärt. „Am besten ergänzen sich Videoaufnahme und EEG“, sagt Dr. Püst.
Anfälle können vergehen
Auch bei jüngeren Patientinnen und Patienten beginnt die Behandlung meist mit Medikamenten. Im Kindesalter sind die Heilungschancen oft besonders gut: Häufig verschwinden die Anfälle mit der Hirnreifung von selbst, so dass die Medikamente später abgesetzt werden können. Je früher die Behandlung wirkt, desto größer ist die Chance auf ein dauerhaft anfallsfreies Leben.
Sicher groß werden
Vor allem kurz nach der Diagnose erfordert der Alltag für Eltern mehr Aufmerksamkeit. Besondere Vorsicht ist vor allem bei Aktivitäten wie Schwimmen oder im Straßenverkehr geboten, aber auch nachts, da viele Anfälle mit Bewusstlosigkeit einhergehen und lebensgefährliche Folgen haben können. Gleichzeitig sollen Kinder und Jugendliche ihr Leben möglichst normal weiterführen und sich nicht unnötig eingeschränkt fühlen. Entscheidend ist eine gute Balance zwischen Schutz und Selbstständigkeit – denn mit der richtigen Begleitung und Behandlung stehen die Chancen auf eine gesunde Entwicklung gut.
Was ist Epilepsie?
DEFINITION:
Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns. Dabei senden Nervenzellen plötzlich gleichzeitig starke elektrische Signale aus. Diese Überaktivität stört kurzzeitig normale Gehirnfunktionen wie Bewegung,Wahrnehmung oder Bewusstsein.
URSACHEN:
In vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen Mögliche Auslöser sind Hirnschädigungen durch Entzündungen, Verletzungen oder Tumore sowie genetische Faktoren oder Fehlentwicklungen des Gehirns.
HÄUFIGKEIT:
Rund ein Prozent der Menschen lebt mit Epilepsie – etwa fünf Prozent erleben im Laufe ihres Lebens mindestens einen epileptischen Anfall (ohne zwingend an Epilepsie zu erkranken).
Experte für diesen Artikel:

DR. BURKHARD PÜST
Chefarzt der Neuropädiatrie am Kinderkrankenhaus Wilhelmstift



