Foto: Photoroyalty/Shutterstock
Zwei bis vier Millionen Frauen in Deutschland leiden an Endometriose laut des Berufsverbands der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V
Titelthema Frauengesundheit
Gemeinsam aus der Schmerzspirale
Frauen mit Endometriose haben häufig einen langen Leidensweg hinter sich und fühlen sich mit ihren Schmerzen alleingelassen. Im Krankenhaus Tabea gibt es ein besonderes Angebot: eine vierwöchige, teilstationäre Schmerztherapie.
Von Nzinga Tonkam
„Stell dich nicht so an“ – diesen blöden Spruch hören noch immer viele Frauen, wenn es um Themen wie Menstruation, Schmerzen oder gar um das Krankheitsbild Endometriose geht. Dr. Sandra Kamping, Psychologische Psychotherapeutin und Leiterin der Schmerzpsychologie, erlebt täglich in ihrer Arbeit, wie belastend es ist, die eigenen Beschwerden rechtfertigen zu müssen und sich nicht ernst genommen zu fühlen.
Was passiert im Körper?
Bei Endometriose wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Die Folge sind starke Regelschmerzen, die sich zu chronischen Unterbauchbeschwerden entwickeln können. Hinzu kommen oft Rücken- und Beinschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung oder ein aufgeblähter Bauch, der sogenannte „Endo-Belly“. „Wenn die Symptome die Lebensqualität einschränken und ambulante Behandlungen wie Medikamente, Hormontherapie oder Operationen nicht mehr ausreichen, sollten Betroffene eine Schmerztherapie in Betracht ziehen“, erklärt Dr. Katrin Stosch-Wiechert, Ärztliche Leiterin des Schmerzzentrums.
Rundumbetreuung
Das Programm am Krankenhaus Tabea bietet eine Rundumbetreuung: ärztliche Versorgung, psychologische Gruppen- und Einzeltherapien sowie Bewegungs- und Physiotherapie. Die Behandlung kann individuell zusammengestellt werden und umfasst Aktivitäten wie Yoga, Qigong,Tai-Chi, Nordic Walking, Kraft- und Faszientraining. Ergänzt wird die teilstationäre Therapie durch Informationen zu Ernährung, Schmerzverständnis und Sexualität. Ziel ist, dass jede Patientin die für sie passenden Methoden findet und dauerhaft in ihr Leben integrieren kann.
Kleine Gruppen, großer Austausch
Vier bis sechs Mal pro Jahr können jeweils acht Frauen teilnehmen. „Besonders die Gruppenarbeit ist unglaublich wertvoll“, sagt Stosch-Wiechert. „Viele erleben dort zum ersten Mal, dass andere dieselben Erfahrungen gemacht haben. Der Austausch hilft dabei, sich verstanden zu fühlen und voneinander zu lernen.“ Das Konzept verfolgt ein klares Ziel: „Es geht nicht in erster Linie darum, symptomfrei zu leben“, betont Kamping. „Der Fokus liegt darauf, wieder Kontrolle über den eigenen Alltag zu gewinnen. Die Patientinnen lernen bei uns, den Schmerz aktiv zu beeinflussen, statt sich von ihm bestimmen zu lassen.“
Expertinnen für diesen Artikel:





