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Titelthema Bauch

Halt von innen

„Rund 40 Prozent aller Frauen sind im Laufe ihres Lebens von einer Beckenbodenschwäche betroffen“, sagt dr. (Univ. Pécs) Zsófia Danckwardt, Leitende Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus. Macht die Schwäche Beschwerden, ist es Zeit zu handeln.

Von Wiebe Bökemeier

Typische Beschwerden sind Druck nach unten, ein „Fremdkörper-Gefühl“ und eine Vorwölbung in der Scheide. Oftmals kommen Symptome wie vermehrter Harndrang, ziehende Schmerzen im Becken- und Rückenbereich oder Schmerzen beim Sex hinzu.
„Viele schweigen aus Scham“, sagt dr. Danckwardt. „Das muss aber keine Frau ,aushalten‘ – wie es früher oft hieß. Im Gegenteil: Wir können gut helfen.“

Was genau ist der Beckenboden?

Er besteht aus Muskeln, Faszien und Bändern und hält Blase, Genitalorgane und Enddarm an Ort und Stelle. Wird er schwach, können Organe absinken. Typische Ursachen sind Geburten, ein sinkender Östrogenspiegel, Bindegewebsschwäche, schweres Heben, Übergewicht, Nervenschäden oder Unterleib-OPs. Übrigens: Das kann seltener auch Männer treffen.

Physio und OP nach Maß

Im Mittelpunkt der Behandlung steht die Physiotherapie, bei der der Beckenboden gezielt trainiert wird. Manchmal auch in Kombination mit Biofeedback oder Pessar (s. Kasten). Oft bessert sich der Zustand schnell spürbar. Verursachen Senkungen Beschwerden, kann eine OP helfen. „Dabei gibt es nicht die eine für alle“, betont sie. Jüngere profitieren z. B. von einer Bauchspiegelung, bei der Bänder und Gewebe gestrafft werden: „Dabei entstehen keine Wunden – gut, um Schmerzpunkte zu vermeiden und die Sexualität zu schützen.“ Bei zu schwachem Bindegewebe oder Rückfällen werden auch Netze – ähnlich einem Spinnennetz – eingesetzt, um die abgesenkten Organe wieder oben zu halten.
Senkungen mindern die Lebensqualität. „Der wichtigste Schritt ist, darüber zu sprechen. Mir ist wichtig, dass jede Frau die Bandbreite kennt – vom Training bis zur OP. Dann finden wir gemeinsam die Lösung, die zu Körper und Leben passt.“

Beckenboden-Buddies

Diese Hilfsmittel unterstützen die Therapie – sie sollten aber nur nach Absprache und angeleitet eingesetzt werden.

BIOFEEDBACK-GERÄT

Misst mit einer Sonde in der Vagina die Muskelaktivität des Beckenbodens und zeigt sie visuell an. So können Sie beim Training direkt sehen, ob Sie die Muskeln richtig anspannen und entspannen.

PESSAR

Ring oder Würfel aus Silikon oder Kunststoff, der eingeführt wird. Stützt die Organe und kann Beschwerden lindern. Gleichzeitig kann es helfen, eine Operation hinauszuzögern oder zu vermeiden.

VAGINALGEWICHTE

Kleine Gewichte für kurzes, regelmäßiges Üben. Fördern Kraft und Wahrnehmung.

ELEKTROSTIMULATION (EMS/TENS)

Zielt auf die Verbesserung der Muskelfunktion sowie Wahrnehmung und Kontrolle der Beckenbodenmuskulatur ab. Sanfte Impulse aktivieren oder beruhigen Beckenboden und Nerven.

Expertin für diesen Artikel:

Porträt einer jungen Frau (dr. (Univ. Pécs) Zsófia Danckwardt) in hellblauer medizinischer Kleidung vor neutralem Hintergrund. Sie hat braune, schulterlange Haare mit Pony, trägt eine runde Brille sowie kleine goldene Ohrringe und lächelt freundlich in die Kamera.

DR. (UNIV. PÉCS) ZSÓFIA DANCKWARDT
Leitende Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und Sektionsleiterin Urogynäkologie am Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus


Fotos: Immanuel Albertinen Diakonie

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