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Endometriose
„Ich dachte, das gehört einfach dazu“
Von Inga Kleine
Viele Frauen halten die Beschwerden für normal. Dabei handelt es sich um eine chronische Krankheit, die mit starken Schmerzen einhergehen kann und häufig zu wenig Beachtung findet. Auch die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt.
Was ist Endometriose?
Bei Endometriose siedeln sich Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut ähneln, außerhalb der Gebärmutter an – etwa an Eierstöcken, Darm, Bauchfell oder Blase. Genau wie die Schleimhaut in der Gebärmutter reagieren diese auf Hormone, insbesondere auf Östrogen. Sie bauen sich im Zyklus auf und bluten ab. Aber das Blut kann nicht abfließen und bleibt im Gewebe, wo es Entzündungen, Reizungen, Verwachsungen und Narben verursachen kann. Die Folge: oft heftige, zyklusabhängige Schmerzen.
Die häufigsten Symptome – die vier Ds
„Endometriose wird auch Chamäleon der Gynäkologie genannt, weil sie ganz unterschiedliche Ausprägungen zeigen kann. Aber die häufigsten Symptome sind die vier Ds", erläutert der Chefarzt und führt aus: „Starke Regelschmerzen (Dysmenorrhoe), Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), bei Wasserlassen (Dysurie) und beim Stuhlgang (Dyschezie)." Häufig kämen chronische Unterbauchschmerzen, Rückenschmerzen oder ein unerfüllter Kinderwunsch hinzu.
Der lange Weg zur Diagnose
Viele schleppen die Krankheit unerkannt mit durch ihr Leben. Ganze siebeneinhalb Jahre Schmerzen liegen im Schnitt bereits hinter den Patientinnen, bis die chronische Unterleibserkrankung erkannt wird. Gerade jungen Frauen wird oft gesagt: „Das sind die typischen Regelbeschwerden."
Da müsse man genauer hinschauen, so Dr. Neuß. Denn Endometriose lasse sich nicht einfach über Laborwerte feststellen. „Für eine gesicherte Diagnose braucht es neben besonders guten Ultraschallgeräten auch Erfahrung mit der Erkrankung." Umso wichtiger ist es ihm daher, aufzuklären und ein Angebot für Betroffene zu schaffen.
Der erste Schritt ist die Einrichtung einer wöchentlichen Endometriose-Sprechstunde und anschließend die Zertifizierung als Endometrioseklinik.
Unbehandelt wird es jeden Monat schlimmer
„Endometriose sollte immer behandelt werden, da es mit jeder Blutung zur nächsten Reizung kommt“, erklärt Neuß. Grundlage ist eine individuelle Hormontherapie – vor allem, um das Weiterschreiten zu verhindern. Auch Operationen können notwendig sein.
„Auf jeden Fall sollten Frauen ihre Beschwerden ernst nehmen und sich nicht mit dem Satz ‚Das ist alles ganz normal.' abfinden. Denn niemand muss unnötig leiden“, schließt der Gynäkologe.
Welche der Verbandskliniken in Hamburg behandeln Endometriose?
• Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf
• Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg
• Albertinen Krankenhaus
• Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus
• Kath. Marienkrankenhaus
• Krankenhaus Jerusalem
• Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift
Experte für diesen Artikel:

DR. MARTIN NEUSS
Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf



