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Titelthema Kopf

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz

Er gehört für viele zum Alltag. Doch was steckt dahinter – und wann sollte man genauer hinschauen?

Von Wiebe Bökemeier

Druck hinter der Stirn, Ziehen im Nacken, Pochen an den Schläfen: Kopfschmerzen kennen wir fast alle. „Aber nur weil sie häufig vorkommen, sind sie nicht automatisch harmlos“, erklärt Dr. Frank Trostdorf, Chefarzt der Neurologie am Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf.

Medizinisch unterscheidet man zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Primäre sind eigenständige Erkrankungen – der Schmerz selbst ist das Problem. Dazu gehören Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerzen. Sekundäre entstehen als Folge einer anderen Ursache, etwa einer Infektion oder Verletzung. Grundsätzlich gilt: „Treten Kopfschmerzen regelmäßig auf oder beeinträchtigen den Alltag, ist ein kritischer Punkt erreicht“, erklärt Trostdorf. „Dann sprechen wir von einer Kopfschmerzerkrankung.“

Der Klassiker

Die häufigste Form ist der Spannungskopfschmerz. Er fühlt sich dumpf und drückend an, wie ein zu enges Band um den Kopf. „Auslöser können Stress, Schlafmangel oder Verspannungen sein“, sagt er. „Da helfen Entspannungsübungen oder Physiotherapie. Manche bekommen übrigens trotz Belastung keine Beschwerden, andere schon bei kleinen Reizen – jedes Gehirn reagiert anders.“

Wenn der Schmerz den Alltag stoppt

Bei Migräne werden bestimmte Nerven, Gefäße und Hirnhäute aktiviert, begleitet von Entzündungsprozessen. Wer Verwandte mit Migräne hat, trägt ein erhöhtes Risiko. „Wenn die Attacke kommt, helfen nur noch Medikamente. Typisch sind pulsierende Schmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit.“
Besonders intensiv ist der seltenere Clusterkopfschmerz. Hier treten die Schmerzen in Attacken auf, meist einseitig hinter dem Auge. Typisch sind tränende Augen oder eine verstopfte Nase. „Wenn wir nach einer Schmerzskala von eins bis zehn fragen, liegen diese Schmerzen oft bei zwölf.“

Warnsignale ernst nehmen

„Es gibt Warnzeichen, die sofort abgeklärt werden sollten. Neurologische Symptome wie Sprachstörungen, Lähmungen oder Fieber und plötzlich einsetzende, extreme „Donnerschlagkopfschmerzen” können auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen. Dann ist schnelle ärztliche Hilfe entscheidend.“

Das können Sie tun

Ein Kopfschmerztagebuch hilft, Muster zu erkennen und Therapien anzupassen. Neben Medikamenten (lesen Sie dazu auch den Artikel zu Migränemedikamenten: Kein Kopf wegen Migräne) spielen auch Ausdauersport, strukturierter Schlaf und Stressbewältigung eine wichtige Rolle, denn sie können Häufigkeit und Intensität der Schmerzen senken. „Die wichtigste Botschaft ist aber: Kopfschmerzen sind kein Schicksal, das man einfach hinnehmen muss. In den allermeisten Fällen können wir etwas tun.”


Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch! Zum Beispiel in einer App von der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft e. V.
Podcast-Hinweis „Hamburger Klinikhelden“ mit QR-Code in Mintgrün

Experte für diesen Artikel:

Der Arzt, Dr. Frank Trostdorf, mit kurzen dunklen Haaren, leichtem Bart und schwarzer Brille steht in einem warm beleuchteten Krankenhausflur und blickt freundlich in die Kamera. Er trägt einen weißen Arztkittel über einem hellen Hemd.
DR. FRANK TROSTDORF

Chefarzt der Neurologie am Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf

 


Fotos: Agaplesion

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