Neues Knie mit 90

Neues Knie mit 90


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Helga M. aus Wilhelmsburg leidet an Herzinsuffizienz, Nierenschwäche und Gelenkverschleiß. Als die Knieschmerzen unerträglich werden und sie an den Rollstuhl fesseln, entscheidet sie sich für eine Operation. Trotz ihrer 90 Jahre, trotz aller anderen Erkrankungen.

Auch ein sehr alter Mensch kann von einem künstlichen Gelenk profi tieren“, sagt Dr. Alexander Krueger, Chefarzt Orthopädie am Wilhelmsburger Krankenhaus  Groß-Sand. „Einige Kliniken lehnen Hochbetagte jedoch aufgrund oft mehrfacher Begleiterkrankungen ab.“ Die Gründe: Eine operative Versorgung ist schwierig,  erfordert ein spezialisiertes OP-Team und entsprechende apparative und instrumentelle Vorbereitung. Die Narkose des Patienten kann außerdem ein Risiko darstellen.

Risiko vorher genau abwägen

Dr. Georg Schniffner
Chefarzt der Geriatrie und Frührehabilitation am Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand
© Michaela Kuhn

„Wir haben ein neues Konzept entwickelt, um Hochbetagten eine sichere endoprothetische Versorgung zu ermöglichen“, so Krueger. In Wilhelmsburg erfolgt zunächst die Aufnahme in der Geriatrie. „In den ersten Tagen werden alle relevanten Organsysteme genau untersucht und ein sogenanntes geriatrisches Assessment durchgeführt. Hier wird überpüft, inwieweit der Patient an alltagsrelevanten Funktionsstörungen wie z. B. Demenz oder erhöhter Sturzgefahr leidet“, erklärt Dr. Georg Schiffner, Chefarzt Geriatrie und Frührehabilitation. In einer interdisziplinären Konferenz mit Altersmedizinern, Anästhesisten und Orthopäden wird dann das Risiko eines Gelenkersatzes abgewogen. „Natürlich beziehen wir die Betroffenen und oft den Betreuer ein, da viele Patienten direkt aus dem Altenheim zu uns kommen“, erklärt der Chefarzt der Orthopädie. Ist das Risiko zu hoch, besteht die weitere Therapie in der medikamentös-physikalischen Schmerzlinderung und möglichst Kräftigung des Patienten. Eine Operation kann dann nicht stattfinden.  Es gibt auch Patienten, bei denen eine OP möglich ist, wir aber zum Beispiel zunächst den Blutzuckerspiegel oder die Herzentlastung besser einstellen müssen“, so Dr. Schiffner. Im Fall von Helga M. entschied sich das Team für den Eingriff. Sie wurde nur für einen Tag aus der Altersmedizin auf die Orthopädie verlegt. Unmittelbar folgend fanden Frühreha und kombinierte orthopädisch-geriatrische Behandlung wieder im Zentrum für Altersmedizin und Frührehabilitation statt.

Wer mobil ist, lebt länger

Helga M. ist heute nicht mehr auf den Rollstuhl angewiesen und sie hat keine Schmerzen mehr. „Auch wenn ich nur noch zwei Jahre leben sollte, habe ich ganz viel Lebensqualität zurück“, sagt sie. Und erwiesen ist schließlich: Wer mobil ist, lebt länger.


© Beitragsbild: Michaela Kuhn

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