Illustration einer Notaufnahme mit Patient*innen im Wartebereich und medizinischem Personal am Empfang.

Notaufnahme: Ja, nein, vielleicht?

Foto: Vectorbum/Shutterstock

Notfall

Notaufnahme: Ja, nein, vielleicht?

Übelkeit, ein umgeknickter Fuß oder plötzliche Brustschmerzen: Alles ein Fall für die Klinik? Dr. Judith Röder, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme am Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg, erklärt,
wann schnelle medizinische Hilfe gefragt ist – und wann andere Anlaufstellen besser geeignet sind.

Von Caroline de Boor

Die Entscheidung ist nicht immer leicht: Abwarten, zum Hausarzt oder direkt in die Notaufnahme? Während manche Beschwerden von selbst wieder abklingen, gibt es Symptome, bei denen man nicht lange zögern sollte.

Wann es ernst wird

Plötzlich auftretende Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen können beispielsweise auf einen Schlaganfall hindeuten. Starke Brustschmerzen, eventuell verbunden mit Atemnot oder Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen, können Anzeichen für einen Herzinfarkt sein. Auch bei heftigen Blutungen, Bewusstlosigkeit oder schweren allergischen Reaktionen sollte man keine Zeit verlieren. Bei Verdacht auf einen lebensbedrohlichen Notfall gilt: 112 wählen.

Wer zuerst kommt, mahlt nicht zuerst

In der Notaufnahme ist oft einiges los und entsprechend kann es zu Wartezeiten kommen. Im Wartezimmer fragt man sich manchmal: Warum wird jemand, der später kam, vor mir aufgerufen? Pflegekräfte schätzen jeden Fall nach dem Manchester-Triage-System ein: Behandelt wird nach Dringlichkeit, nicht nach Ankunftszeit. Dass andere deshalb möglicherweise früher aufgerufen werden, sorgt manchmal für Unmut. „Wer in die Notaufnahme kommt, muss sich auf die Triage einlassen. Wir verstehen aber natürlich auch, dass Menschen zu uns kommen, weil sie eine Not empfinden“, so Röder.

Sie sind sich unsicher?

Wer sich unsicher ist, kann sich unter der Rufnummer 116 117 an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. Er hilft bei Beschwerden weiter, die nicht lebensbedrohlich sind, aber dennoch zeitnah ärztlich abgeklärt werden sollten, und vermittelt bei Bedarf die passende Anlaufstelle.

Dem Körper Zeit geben

Doch nicht immer ist eine ärztliche Behandlung nötig. „Manchmal müssen wir dem Körper auch zunächst die Chance geben, sich zu kurieren“, sagt Dr. Röder. „Bei leichten Schmerzen kann man erst einmal eine Tablette nehmen. Ein Magen-Darm-Infekt ist unangenehm, klingt aber häufig von selbst wieder ab. Wichtig sind dann vor allem Ruhe, viel Trinken und Salzstangen. In der Notaufnahme können wir da oft wenig tun.“
Röders Wunsch: mehr Vertrauen in den eigenen Körper. „Man muss nicht bei jeder Übelkeit gleich das Schlimmste befürchten. Und auch einen verstauchten Fuß kann man zunächst kühlen und schonen, bevor man in die Klinik geht.“ Und im Zweifel hilft ein Anruf oft schon weiter.

Fälle für die Notaufnahme:

  • (plötzliche) starke Atemnot
  • plötzliche und neu auftretende Brustschmerzen
  • Lähmungserscheinungen
  • Seh- und Sprachstörungen
  • starke Blutungen (bei Verletzungen, aus dem Enddarm oder im Erbrochenen)
  • allergischer Schock (z. B. nach einem Wespenstich)
  • Vergiftungserscheinungen (z. B. Beschwerden nach dem Verzehr von Pilzen oder irrtümlich getrunkenen, umgefüllten Flüssigkeiten)
  • ungewohnte starke Schmerzen
  • ungeklärte Bewusstlosigkeit
  • Fehlstellungen der Knochen nach Stürzen/Unfällen
  • starker Aufprall auf den Kopf (z. B. bei Sturz oder Unfall)

Das gehört in die Hausapotheke

  • kühlende Kompressen
  • Pfefferminzöl (bei Kopfschmerzen auf die Haut und bei Übelkeit zum Riechen)
  • Erste-Hilfe-Set mit Pflastern und Verbandsmaterial
  • Fieberthermometer
  • fiebersenkende Schmerzmittel (z. B. Paracetamol oder Ibuprofen)
  • Wärmflasche oder Kirschkernkissen

Expertin für diesen Artikel:

DR. JUDITH RÖDER

Chefärztin der Zen­tralen Notaufnahme am Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg


Fotos: Valeska Achenbach

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