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Reizdarm: Studie zeigt neue Erkenntnisse

Reizdarmsyndrom: Studie zeigt neue Erkenntnisse


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„Unser Darm ist die Wurzel aller Gesundheit“, wusste schon Hippokrates. Gerät unsere Darmflora aus dem Gleichgewicht, leiden Körper und Geist.

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Der Darm beherbergt gut 80 Prozent der Immunzellen unseres Körpers – deswegen spielt er eine Schlüsselrolle, wenn es um das körperliche Wohlbefinden geht. Patienten, die an einem sogenannten Reizdarmsyndrom leiden, klagen über unterschiedliche Symptome – von starken Schmerzen bis Übelkeit oder Kreislaufbeschwerden. Reizdarmpatienten weisen oft Veränderungen der Darmflora auf.

Welche Ursachen gibt es?

Ärzte können eine klare Diagnose stellen, kennen bisher aber nur einen Teil der Ursachen – etwa genetische Veranlagung, Stress, psychische Belastung, Infektionen oder die Einnahme von Antibiotika. Eine einheitliche Therapie ist daher oft gar nicht möglich.

Was hilft bei einem Reizdarm?

Bei Reizdarmbeschwerden kann die Einnahme probiotischer Präparate (oft in Form von Kapseln erhältlich) helfen. Diese wirken sich vermutlich positiv auf das Bakterien-Milieu im Darm aus. Studien zeigen auch für eine Reihe von Präparaten eine Symptomlinderung bei Reizdarmbeschwerden.

Studie liefert überraschende Ergebnisse

Dr. Andresen

Dr. Viola Andresen, Internistin und Oberärztin (c) Israelitisches Krankenhaus

Eine aktuelle Studie am Israelitischen Krankenhaus Hamburg zeigt nun, dass sich auch Kapseln eines Probiotikums mit inaktiven Bakterien wirksam beim Reizdarmsyndrom zeigen. „Interessanterweise konnten die inaktiven, also toten, Bakterien bei 34 Prozent der Versuchsteilnehmer eine positive Wirkung erzielen und waren damit deutlich wirksamer als ein im Vergleich eingenommenes Scheinmedikament (Placebo)“, so Dr. Viola Andresen, Internistin und Oberärztin, die an der Studie mitgewirkt hat.

Doch wie genau können tote Bakterien eine biologische Wirkung haben? „Die in der Studie untersuchten Bakterien waren inaktiv, aber in ihrer Struktur unversehrt. Es gibt Hinweise, dass diese spezielle Bakterienart sich an die Darmwand anheften und möglicherweise dadurch positive Wirkung auf die Darmflora haben kann“, erläutert Dr. Andresen.

„Ein Vorteil der inaktivierten Probiotika könnte in Zukunft in einer besseren Verträglichkeit und Sicherheit der Probiotika-Präparate liegen. Während einer Antibiotikatherapie könnten zum Beispiel tote Probiotika sinnvoll sein, da sie durch die Antibiotika vermutlich nicht beeinflusst werden. Noch befinden wir uns erst am Anfang der Forschung, doch die Ergebnisse der Studie geben Hoffnung auf neue Behandlungsansätze im Bereich der Probiotika“, zeigt sich Dr. Andresen zuversichtlich.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie in der Pressemitteilung des Israelitischen Krankenhaus: Erstmalig in großer klinischer Studie gezeigt: Probiotikum mit abgetöteten Bakterien ist hochwirksam beim Reizdarmsyndrom.

Tipp

  • Ein Ernährungstagebuch hilft, eigene Unverträglichkeiten zu erkennen und mit dem nervösen Darm besser umzugehen.
  • Unter Reizdarm Selbsthilfe finden Sie die größte Datenbank an Kliniken, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Betroffene.

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Beitragsbild: © Diana Krykavska/Shutterstock

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