Mehr Kilos durch die Pandemie

Übergewicht: zusätzliche Kilos durch die Pandemie

Übergewicht: zusätzliche Kilos durch die Pandemie


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Es ist ein Teufelskreis: Corona und Adipositas, also Fettleibigkeit, begünstigen sich gegenseitig. Dorit Roeper, Leiterin des Adipositaszentrums am Wilhelmsburger Krankenhaus Groß Sand, erklärt im gute besserung!-Interview den Ausweg.

Macht Corona dick?
Der Lockdown sorgt definitiv für zusätzliche Pfunde auf den Hüften – bei Erwachsenen und Kindern. Vor allem Menschen, die zu Übergewicht neigen oder bereits übergewichtig sind, sind betroffen. Das liegt zum einen am Bewegungsmangel. Der Weg ins Büro und Sportangebote entfallen. Gerade für Übergewichtige ist so die Überwindung, sich zu bewegen, noch größer geworden als zu normalen Zeiten. Zum anderen verleitet der Lockdown dazu, in ein ungesundes Essverhalten zu verfallen. Dauerstress, soziale Isolation, Frust, Trauer, Langeweile – viele Menschen fressen das wortwörtlich in sich hinein. Essen ist für sie ein Mittel zur emotionalen Selbstregulation. Gleichzeitig wissen wir, dass Übergewicht und besonders Adipositas das Risiko an Corona schwer zu erkranken drastisch erhöhen.

Dorit Roeper (c) Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand


Wie können Betroffene den Teufelskreis von Corona und Adipositas selbst durchbrechen?
Ganz wichtig sind Strukturen, ein fester Tagesrhythmus mit geregelten Essenszeiten sowie Pausen für Bewegung und Entspannung. Ideal ist allgemein, drei Mahlzeiten am Tag zu essen und hauptsächlich Wasser, ungesüßte Tees oder schwarzen Kaffee zu trinken. Softdrinks, Säfte sowie milch- und zuckerhaltige Kaffees sind heimliche Dickmacher. In Bezug auf das Essen ist eine mediterrane Ernährung empfehlenswert: viel Gemüse, Fisch, Milchprodukte, Nüsse und Samen. Dazu Vollkornprodukte sowie nur ein bis zwei Mal die Woche Fleisch. Auch Bewegung sollte in den Alltag integriert werden. Mit einfachen Hilfsmitteln wie Wasserflaschen lassen sich auch zu Hause kleine Trainingseinheiten durchführen. Wichtig sind Tapetenwechsel: Gehen Sie an die frische Luft, und vernachlässigen Sie soziale Kontakte nicht – egal ob persönlich, am Telefon oder per Videochat. Dank der Kamera kann sich auch das wie ein Tapetenwechsel anfühlen.

Wie läuft eine Adipositas-Therapie in Pandemie-Zeiten ab?
Adipositaszentren wie bei uns im Haus bieten auch jetzt Therapien an. Allerdings dürfen wir unsere Patienten und Patientinnen nur einzeln betreuen. Kern der Behandlungskonzepte ist ein multimodaler Ansatz. Das bedeutet, die Adipositas-Patienten werden fachübergreifend mit einem Team aus Ernährungswissenschaftlern, Ärzten, Bewegungstherapeuten und Psychologen betreut.

Adipositas und Corona  in Deutschland

23 Prozent der Erwachsenen  und 9 Prozent der Kinder haben während der Pandemie zugenommen. So lautete das Ergebnis einer Umfrage des Else-KrönerFresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin im September 2020. Insgesamt gelten nach Zahlen des RKI in Deutschland rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen als übergewichtig.  Ein Viertel der deutschen  Erwachsenen ist sogar adipös (stark übergewichtig).


Beitragsbild: © Photo by i yunmai on Unsplash

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