Herz & Hirn gemeinsam im Fokus

Herz & Hirn gemeinsam im Fokus


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Jeder kennt es aus Literatur und Film: das gebrochene Herz. Doch ist es nicht nur eine Allegorie, sondern real. Herz und Hirn hängen zusammen. Deshalb arbeiten Neuro- und Kardiologen oft Hand in Hand.

Japanische Ärzte haben vor etwa 30 Jahren dafür den Begriff Takotsubo-Syndrom geprägt – nach einer Tintenfischfalle, die einem Krug mit engem Hals und starker Taille gleicht. Denn solch einem Gefäß ähnelt die Form des „gebrochenen Herzens“ infolge einer Bewegungsstörung größerer Abschnitte der linken Herzkammer, was Beschwerden wie die eines Infarkts hervorruft. „Ausschlaggebend dafür kann die Trauer um den Tod des Partners sein“, erklärt Prof. Dr. Karsten Sydow, Chefarzt der Kardiologie im Albertinen Krankenhaus. „Auch Ärger, Streit, Konflikte oder aber große Freude, ein emotionales Hoch, also positiver ‚Stress‘, sind mögliche Gründe.“ Im Körper findet dann eine Kettenreaktion statt: Das Gehirn sorgt für die Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin aus der Nebenniere, die zu einer lokalen Freisetzung von Stresshormonen am Herzmuskel führen. Diese mobilisieren Kalzium aus den Speicherplätzen in den Herzmuskelzellen, dort ziehen sich Proteine zusammen, es kommt zu Verformungen des Muskels. 

Vielfältige Schnittpunkte

Das „gebrochene Herz“ ist nur ein Beispiel dafür, wie eng Herz und Hirn miteinander verflochten sind. Die Wechselbeziehungen sind so umfassend, dass sich Neurologen und Kardiologen im Albertinen Krankenhaus in vielen Fällen fachübergreifend und intensiv miteinander abstimmen. Der Begriff dafür: Neurokardiologie. Die Ärzte beider Fachbereiche nehmen die Visiten gemeinsam vor und diskutieren den Patientenbefund, entwickeln eine entsprechend angepasste Therapie und Rehabilitation. „Das führt zu einer schnelleren Befunderhebung und damit zu einer verringerten Komplikationsrate sowie einer insgesamt verbesserten medizinischen Rehabilitation“, sagt Priv.-Doz. Dr. Michael Rosenkranz, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation am Albertinen Krankenhaus. 

Implantate zum Verschluss des Vorhofohrs

Der Mediziner weist auf einige weitere Berührungspunkte hin: „Parkinson-Patienten etwa haben oft schon Herzprobleme, bevor die ersten motorischen Symptome auftreten. Und Defizite wie Gedächtniseinbußen und Synkopen, sprich: kurze Ohnmachten, die auf Durchblutungsstörungen im Kopfbereich beruhen, sind häufig die Folge von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.“ Dazu passt auch, dass Vorhofflimmern – die häufigste Form von Herzrhythmus-Störungen – zugleich als Hauptrisikofaktor für einen  Schlaganfall gilt, was für die Prävention von großer Bedeutung ist. Mit gerinnungshemmenden Medikamenten, die verhindern sollen, dass sich im Vorhof gefährliche Blutgerinnsel bilden, die dann durch die Blutbahn zum Gehirn wandern und dort den Infarkt auslösen können, lässt sich das Risiko deutlich senken. 

„Manchmal spricht aber ein erhöhtes Blutungsrisiko gegen eine solche Behandlung“, erklärt Prof. Sydow. „In solchen Situationen kann ein interventioneller Verschluss des linken Vorhofohrs durch eine Art ‚Stöpsel‘ infrage kommen.“ Auch hier ist also eine interdisziplinäre Herangehensweise erforderlich, um den Patienten optimal zu versorgen.


Beitragsbild: © TanyaJoy/Shutterstock.com

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